zur Navigation springen

Interview : Das große Geschäft mit den kleinen Bienen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Varroamilben, Pflanzenschutzmittel – die Honigsammler sind bedroht. Der Vorsitzende des Landesverbands der Imker im Interview.

von
erstellt am 30.Mai.2015 | 16:00 Uhr

Der Biene geht es schlecht. Varroramilben und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln haben die Tiere geschwächt. Ganze Völker sterben, andere werden gestohlen. Wie steht es wirklich um die fleißigen Honigsammler?

Einer der es wissen muss, ist Torsten Ellmann, 1. Vorsitzender des Landesverband der Imker. Lisa Kleinpeter befragte ihn im Interview.

Eine drastische Frage vorweg: Wird die Biene aussterben?
Nein. Solange es Imker gibt, die sie betreuen, wird die Honig-Biene nicht aussterben.

Bei Lübz brechen Diebe einen Wagen auf und stehlen vier Bienenvölker. In der Nähe von Hagenow verschwinden drei Völker von einer Obstplantage. Am Tag darauf wird ein weiterer Fall aus Hagenow gemeldet. Warum klaut jemand Bienen?
Die Verluste in diesem Jahr sind sehr hoch. Dadurch steigen auch die Neuanschaffungspreise bei Bienen. In Sternberg wurde vor kurzem ein Ableger für 150 Euro verkauft. Früher hat ein starkes Wirtschaftsvolk so viel gekostet. Ein Ableger ist jedoch erst die Vorstufe eines Wirtschaftsvolks. Eine Bienenkönigin kostet zwischen 50 und 400 Euro. Damit kann man viel Geld machen. Alle, die sich eine Biene holen, sollten vom Verkäufer ein Gesundheitszeugnis verlangen. Seriöse Verkäufer haben so etwas immer.

Kein gutes Jahr für Imker. Wie schätzen Sie die Gesamtsituation in MV ein?
Durch die großen Verluste in diesem Jahr, sind die Imker niedergeschlagen. Sie waren optimistisch, dass sie den Verlust aufholen können. Aber das Wetter spielt gegen die Bienen. Es ist einfach zu kalt und zu stürmisch.

Gefährliche Pflanzenschutzmittel als Ursache für das Bienensterben sind bekannt. Als ein weiterer Grund wird aber auch die Varrora-Milbe genannt. Wie gefährlich ist sie?
Durch den warmen Winter ist die Varrora-Milbe auf dem Vormarsch. Sie ist zunehmend auch Überträger von Vieren und Krankheiten und deshalb so gefährlich. Die Milbe kriecht in die Brut, vor deren Verdeckelung. Eigentlich sind immer Milben in Bienenstöcken vorhanden. Das ist normal. Es geht darum, wie groß der Befall ist. Die Imker können zur Zeit nur die befallene Brut entfernen, um die Nistplätze zu minimieren. Ist die Anzahl der Varroamilben zu hoch, muss die Honigernte im schlimmsten Fall beendet werden.

Gibt es auch etwas positives zu vermelden?
Im Verband haben wir 1500 Imker. Landesweit sind es zirka 2200. Zur Wendezeit waren es zwar noch 6500 Imker. Dennoch steigt die Zahl seit einigen Jahren wieder kontinuierlich an. Auch in der Politik wird erkannt, dass es der Biene schlechter geht. Durch Fördermaßnahmen im Agrarsektor erhalten wir in diesem Jahr 2500 Hektar Bienenweide. Das ist eine Verdopplung der Fläche im Vergleich zum Vorjahr. Aber wir werden uns weiter unterhalten müssen, auch über die Varrora-Milbe.

Kann auch der Verbraucher die Biene schützen?
Ja. Jeder kann Bienenbehausungen anbieten sowie Kräuter- und Wildblumenmischungen ansähen. Thymian und Salbei sind gut. Außerdem sollte man auf gefährliche Pflanzenschutzmittel verzichten. Und wenn man doch Pflanzenschutz anwendet, dann am späten Abend, außerhalb der Bienenflugzeiten. Ich würde mir wünschen, die Einheimischen würden mehr Honig aus der Region kaufen, um die Imker vor Ort zu unterstützen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen