Grüne Woche Berlin startet : „Das Fischbrötchen geht immer“

Räucherspezialitäten aus dem Ofen: Gisela Schadwinkel und Sohn Frank setzen in diesem Jahr aber auch auf Eingelegtes wie Graved Lachs.
Räucherspezialitäten aus dem Ofen: Gisela Schadwinkel und Sohn Frank setzen in diesem Jahr aber auch auf Eingelegtes wie Graved Lachs.

Heute startet die IGW in Berlin. MV präsentiert sich mit 60 Ausstellern aus der Ernährungs- und Tourismusbranche. Demos am Rande

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15. Januar 2016, 08:00 Uhr

Der norwegische Bio-Lachs badete mehrere Tage in Öl, wurde mit Salz bestreut und bekam am Ende eine Bierdusche. Mit Fingerspitzengefühl schneidet Gisela Schadwinkel dünne Streifen ab, fädelt sie anschließend auf mehrere Spieße. „Es ist angerichtet“, sagt sie. „Und jeder muss probieren.“

Schadwinkel ist stolz auf die neue Graved Lachs Kreation aus ihrer eigenen Ideenschmiede. Als Geschäftsführerin der Wismarer Seeperle wolle sie ihren Kunden immer mal wieder etwas Neues bieten. Für die Rezeptur des Bier-Lachses habe sie mit dem örtlichen Brauhaus Lohberg zusammengearbeitet. Auf der 81. Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin, die heute startet, will sie testen, ob der Fisch auch außerhalb der Seeperle gut ankommt. „Das Fischbrötchen geht immer, aber auch unser Graved Lachs?“, fragt sich Schadwinkel.

„Die Messe ist ein Testmarkt für neue Produkte“, weiß Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Viele, vor allem mittelständische Unternehmen, wollen nach Berlin fahren, aber nicht jeder bekommt einen Platz in der Länderhalle.

Gisela Schadwinkel hat Glück gehabt. Sie fährt bereits zum zehnten Mal zur IGW. Um die Popularität ihrer Firma zu steigern, wie sie sagt. „Und um zu wissen, wie der Markt aussieht.“ In der Vergangenheit hätte sie gelernt, dass die Messebesucher zunehmend auf gesunde Lebensmittel setzen: „Sie wollen wissen, was drin ist. Und sie wollen regionale Produkte.“ Ein Aspekt, den das Landwirtschaftsministerium bei seinem Auftritt in den Vordergrund stellt – zur Stärkung des Images MVs, auch als Tourismusland, erklärt Backhaus. Und es funktioniere: „Mit der Grünen Woche steigen die Buchungszahlen“, verdeutlicht er. Damit die MV-Länderhalle in der Beliebtheitsskala wieder auf den vorderen Plätzen landet, investiert das Land 600 000 Euro in den Messeauftritt. Die Standgebühren der 60 Aussteller würden 120 000 Euro zurück in die Kassen spülen. Ursula Karlowski, umwelt- und agrarpolitische Sprecherin der Grünen in MV, hält die Investitionen für übertrieben. Ihre Fraktion sehe die 480 000 Euro Landesmittel für die Präsentation kritisch. „Ein Teil des Geldes sollte lieber in eine Landeskampagne für die Vermarktung von regional und ökologisch erzeugten landwirtschaftlichen Produkten eingesetzt werden“, schlägt Karlowski vor.

Fritz Tack, agrarpolitischer Sprecher der Linksfraktion, sieht in der Grünen Woche dagegen eine Möglichkeit, über die betriebswirtschaftlichen Probleme beispielsweise von Milchbauern zu sprechen. „Die ruinösen Preise in der Milch- und Fleischerzeugung bringen vor allem kleinere Betriebe in große Schwierigkeiten. Die Tierbestände in MV verringern sich. Das hat Auswirkungen auf die Arbeitsplatzsituation sowie die Wertschöpfung im ländlichen Raum“, erläutert Tack.

Dass die diesjährige Grüne Woche vor allem politisch wird, erklärte Landwirtschaftsminister bereits am vergangenen Dienstag. Zum zweiten Mal seit 2003 hat MV den Vorsitz der Agrarministerkonferenz inne. Während der Konferenz treten die Staatssekretäre von Bund und Ländern an einen Tisch. Diskutiert wird in erster Linie über angemessene Erzeugerpreise, ebenso wie über eine moderne und umweltverträglich gestaltete Landwirtschaft.

Am Rande der großen Politikerrunden treffen sich am Sonnabend auf dem Washington Platz Landwirte aus ganz Deutschland, um an der „Wir machen euch satt“-Demonstration teilzunehmen. Mit dabei sind auch Bauern aus MV. Sie wollen aufklären, Signale setzen – für eine vielfältige Landwirtschaft und für moderne Tierhaltung.

„In einer Gesellschaft, in der nur noch zwei Prozent in der Landwirtschaft tätig sind, ist es nicht verwunderlich, dass die Landwirtschaft fremd und das Wissen darüber geringer geworden ist. Dem wollen wir entgegenwirken“, erklärt Demonstrationsteilnehmer Daniel Bohl aus Warin.

Dass moderne Tierhaltung und das Tierwohl Hand in Hand gehen können, erklären derweil in der MV-Halle Wissenschaftler der verschiedenen Forschungseinrichtungen des Landes. Anhand eines Melkroboters zeigt unter anderem Elmar Mohr, Dekan der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Uni Rostock, wie Kühe ein glücklicheres Leben führen können. „Mit dem automatisierten Melken kann die Kuh selbst bestimmen, wann sie gemolken werden will“, verrät Mohr vorab. Der Wissenschaftler möchte bei Verbrauchern das Verständnis für Technik in der Landwirtschaft wecken.

Den Dialog sucht auch Gisela Schadwinkel. Schließlich hat sie auf der Grünen Woche ein großes Ziel: ihren Graved Lachs bekannt zu machen. Schließlich soll ihre Seeperle auch in Zukunft gut besucht werden.

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