Einkaufen um die Ecke : Das Experiment Dorfladen

Frisches Gurken: Der Grambower Paul-Wilhelm Todt zeigt Gudrun Kiener von der Robert Bosch Stiftung, was es im Dorfladen alles so gibt.
Frisches Gurken: Der Grambower Paul-Wilhelm Todt zeigt Gudrun Kiener von der Robert Bosch Stiftung, was es im Dorfladen alles so gibt.

In Grambow gibts seit zehn Monaten wieder eine Einkaufsmöglichkeit, doch noch sind die Kosten höher als der Ertrag

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27. August 2015, 08:00 Uhr

„Einkaufen, wo ich zu Hause bin“ – das ist der Slogan des kleinen Dorfladens in Grambow bei Schwerin. Vor zehn Monaten wurde er eröffnet. „Endlich“, freuten sich die meisten der rund 680 Grambower. 20 Jahre lang hatten sie nicht mehr vor ihrer Haustür einkaufen können. Jetzt stand ihnen wieder eine Einkaufsmöglichkeit in ihrer Nähe offen, indem es vom Apfel bis zur Zahnpasta etwa 1000 Artikel zu kaufen gibt. Das Experiment Dorfladen ist in vollem Gange. Doch noch sind die Kosten höher als die Erlöse.

Sechs Besucher auf einen Schlag im Dorfladen. Das ist gut. Kundschaft ist immer gut, aber diese Gäste aus Süddeutschland sind nicht gekommen, um etwas zu kaufen. Die Delegation der Robert Bosch Stiftung aus Stuttgart will schauen, was aus einem ihrer „Neulandgewinner“ geworden ist. „Neulandgewinner. Die Zukunft erfinden vor Ort“ – so lautet ein Förderprogramm der Bosch Stiftung, das Menschen unterstützt, die ihr Umfeld und ihre Nachbarschaft in Zeiten von gesellschaftlichen Veränderungen selbst gestalten wollen. „Besonders ländliche Räume sehen sich angesichts von Schrumpfung und Wande-rungsprozessen vor schwierigen Aufgaben bezüglich der Daseinsvorsorge“, sagt Gudrun Kiener, Projektleiterin dieses Förderprogrammes.

In Grambow gibt es viel ländlichen Raum. Bürgerliches Engagement auch. Und es gab die Idee eines Dorfladens, in dem nicht nur Ware gegen Geld über die Theke gehen soll. Hier sollen sich Menschen treffen können, hier soll es kulturelle Angebote geben, damit das Dorfleben lebendiger wird. Ein Konzept, das auch die Bosch Stiftung überzeugte, die 50  000 Euro Anschubfinanzierung gewährte. „Mit diesem Geld haben wir unter anderem die Planungskosten der Architekten übernommen und den Neubau der Garage für unseren Gemeindearbeiter finanziert“, erklärt Paul-Wilhelm Todt den Gästen und führt sie um das Gebäude herum, das Feuerwehr, Gemeinderäume, Ortsbibliothek und Kaufladen beherbergt. Todt ist Vorsitzender des Fördervereins Grambow und Vorstandsmitglied der Genossenschaft „Unser Dorfladen“. Letztere ist gegründet worden, um sich um das operative Geschäft zu kümmern. „Und das soll bald zumindest die Schwarze Null bringen“, sagt Todt, einer von rund 60 Gesellschaftern, die insgesamt 70 Anteile á 200 Euro gekauft haben.

Bei der Eröffnung des Ladens im Oktober 2014 war das halbe Dorf da. Doch nach der Anfangseuphorie kam rund ein Drittel weniger Kunden als kalkuliert. „Wir haben Veränderungen vorgenommen“, sagt Paul-Wilhelm Todt, spricht dann von neuen Öffnungszeiten, mehr Werbung und Sortimentsänderungen.

„Frische Sachen sind gefragt“, weiß Todt und zeigt Gudrun Kiener die Obst- und Gemüsetheke. Gleich neben dem Eingang links, da gibt es auch eine Kaffeeecke in dem Anbau, der samt Einrichtung rund 280  000 Euro gekostet hat. Neben einem Eigenanteil der Gemeinde kam unter anderem Geld aus dem Topf des EU-Leader-Programms.

„Wir sind sehr beeindruckt von dem , was hier entstanden ist“, sagt Gudrun Kiener. Es sei spannend zu sehen, wie sich solch eine Förderung weiter entwickele. Wie sich „Unser Dorfladen“ weiter entwickelt, da sind auch die Ehrenamtlichen um Paul-Wilhelm Todt gespannt. Einen langen Atem wollen sie beweisen, und Rücklagen, sagt Todt, seien auch noch da.

Die Gäste aus Schwaben machen sich auf den Weg. Weitere Neulandgewinner-Termine stehen an, erst im Kulturhaus des einstigen sozialistischen Musterdorfes Mestlin, dann in der „Werkstatt des guten Lebens“ in Wangelin bei Lübz und im Jugendzentrum Neuruppin. Am Dorfladen in Grambow wird derweil gegrillt. Auch das gehört zum Angebot des Ladens, der vom Experiment zur festen Größe werden soll.

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