Fehmarnbelt-Querung : Dänen-Tunnel bessert Standort MV auf

Die Brücke über den Fehmarnbelt reicht für das künftige Verkehrsaufkommen nicht aus. Ein Tunnel soll Abhilfe schaffen.
Die Brücke über den Fehmarnbelt reicht für das künftige Verkehrsaufkommen nicht aus. Ein Tunnel soll Abhilfe schaffen.

Der Weg ist frei für Europas größtes Verkehrsprojekt: Dänemark beschließt Fehmarnbelt-Querung. Westmecklenburg hofft auf Investoren.

svz.de von
29. April 2015, 07:45 Uhr

Weg frei für Europas größtes Verkehrsprojekt: Das dänische Parlament hat gestern das milliardenschwere Baugeld für die Fehmarnbeltquerung, eine neue Nord-Route nach Skandinavien, freigegeben. Die Abgeordneten von sieben der acht Parteien im dänischen Parlament stimmten für das Jahrhundertprojekt.

18 Kilometer lang, eine vierspurige Straße unter der Ostsee, für zehn Minuten Fahrt bei 110 km/h, dazu zwei Röhren für den Bahnverkehr mit bis zu 200 km/h schnellen Zügen statt 45 Minuten Fährüberfahrt und Wartezeit auf das nächste Schiff: Die Kosten für den Bau tragen die Dänen nach der gestrigen Entscheidung allein. Mit dem Tunnel soll die Fahrzeit zwischen Kopenhagen und Hamburg auf 2 Stunden und 45 Minuten schrumpfen – fast zwei Stunden Zeitgewinn zu bisherigen Verbindungen.

Der Baubeschluss löst Hoffnungen in MV aus: Trotz der hohen Kosten begrüßte die Wirtschaft hier die Entscheidung. Damit sei die offizielle Grundlage für den Bau des Fehmarnbelt-Tunnels gelegt, sagte Siegbert Eisenach, Chef der Industrie- und Handelskammer Schwerin (IHK) gestern. Jetzt müsse Deutschland zügig für eine schnelle Verkehrsanbindung auf deutscher Seite sorgen. Mit der neuen Nord-Süd-Route gewinne der Investitionsstandort Westmecklenburg an Attraktivität. Die Region werde zwischen Kopenhagen und Berlin an Bedeutung als Logistik- und Produktionsstandort gewinnen, hieß es bei der IHK. Besonders die Region am neuen Kreuz der Autobahnen 14 und 24 zwischen Ludwigslust, Grabow und Neustadt-Glewe habe beste Standortbedingungen u. a. für Logistiker.

Leuchten, Signale, Kabel, Malerarbeiten, Ausbau der Tunnelsegmente: Die Auftragsberatungsstelle in MV geht zudem davon aus, das der Tunnelbau Bietergemeinschaften aus MV Aufträge im Wert von je bis zu zwei Millionen Euro bescheren könnte.

Deutschland stellt sich hinter das Projekt: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte gestern bei ihrem Besuch in Kopenhagen, der Bund halte trotz höherer Kosten und eines verspäteten Zeitplans an dem Projekt fest. Deutschland muss laut Staatsvertrag für die Hinterlandanbindung auf deutscher Seite aufkommen. „Ich kann nicht ausschließen, dass es zu einigen Verzögerungen kommen könnte“, sagte Merkel. Der Tunnel könnte bis 2021 fertig sein, die Bahnanbindung in Deutschland aber voraussichtlich erst 2024. Kritikern zufolge zeichnet sich bereits eine Vervierfachung der Kosten für den deutschen Steuerzahler auf drei Milliarden Euro ab.

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