Wirtschaft : Chefs halten Ältere länger im Betrieb

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Anteil der über 55-Jährigen in MV auf 20 Prozent gestiegen

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18. März 2014, 07:45 Uhr

Die Alten kommen: Unternehmer in MV beschäftigen so viele ältere Arbeitnehmer wie nie zuvor. Ende 2013 war jeder fünfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte älter als 55 Jahre, geht aus einer Analyse der Bundesagentur für Arbeit hervor. Vor fünf Jahren war es nur jeder Siebente. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels hielten die Firmenchef ihre Mitarbeiter länger in der Firma, beobachtete Hans-Günter Trepte, Arbeitsmarktexperte der Vereinigung der Unternehmensverbände in MV – die Belegschaften werden zusammen alt. Der wachsende Anteil sei aber auch Folge der massenhaften Frühverrentungen in den 90er-Jahren, erklärte Ingo Schlüter, Vize-Chef des DGB Nord.

Die Wirtschaft steuert auf ein akutes Altersproblem zu: Betroffen sind vor allem kleinere Firmen. Spätestens in drei Jahren sei in allen Regionen und Wirtschaftsbereichen in MV mit Fachkräftemangel zu rechnen. Die Wirtschaft stecke in der Zange: Einerseits gebe es immer weniger junge Leute, andererseits würden die Belegschaften immer älter. Jährlich fehlten etwa 2000 Jugendliche, erklärte Trepte.

DGB-Vize Schlüter forderte die Personalchefs auf, ihre Personalpolitik umzustellen und stärker selbst aktiv zu werden. Den Firmen bleibe kaum eine Wahl: „Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern wird in MV zu einer Wende in der Tarifkultur beitragen“ , meinte Schlüter. Firmen, die unter Tarif zahlten, würden sich künftig nur schwer halten können.

Von den günstigen Zukunftsaussichten können ältere Arbeitslose bislang nicht profitieren. Seit 2008 erhöhte sich der Anteil der über 55-Jährigen unter allen Arbeitslosen – um mehr als sechs Prozent auf 21,7 Prozent. Bislang gebe „nur ein Teil der Betriebe auch älteren Arbeitslosen wieder eine Chance“, meinte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Landesarbeitsagentur. In den Unternehmen sei ein neues Altersbild notwendig, das Praxiswissen, Erfahrungen und Zuverlässigkeit ins Zentrum stelle.

Die Opposition im Landtag sieht indes die Arbeitsverwaltung in der Pflicht. Wenn das brachliegende Beschäftigtenpotenzial besser genutzt werden solle, müsse „die Kürzungsorgie bei den arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen beendet werden“, forderte Henning Förster, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Linksfraktion.

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