Entschädigungen : Bund kassiert Windmüller ab

1 von 2

Windkraftanlagenbetreiber zahlen BVVG Millionen an Entschädigung

svz.de von
21. März 2014, 07:44 Uhr

Der Ausbau der Windkraft weht dem Bund millionenschwere Einnahmen in die Kasse: Windmüller haben auf den zur Privatisierung vorgesehenen ehemals volkseigenen Agrarflächen im Osten im vergangenen Jahr 26 Millionen Euro an Entschädigungsleistungen zahlen müssen, teilte die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) mit. Fast zwei Drittel der Einnahmen stammten aus MV. Tendenz: steigend.

Die bundeseigenen Bodenprivatisierer kassieren sowohl auf Pachtflächen als auch bereits verkauftem Ackerland: Auf Flächen, die seinerzeit nach dem Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz (EALG) verbilligt verkauft wurden, würden Entschädigungszahlzungen für die außerlandwirtschaftliche Nutzung fällig, erklärte Schwerins BVVG-Chef Johann Jacob Nagel – 15 Jahre lang. Wer verbilligt Boden gekauft habe, der für die Landwirtschaft vorgesehen war, später aber von Investitionen in Windenergieanlage profitiere, müsse dafür eine Entschädigung zahlen. Nagel: „Das ist nur gerechtfertigt.“ Das Interesse sei groß, meinte BVVG-Sprecherin Constanze Fiedler. Es gebe zahlreiche Anfragen.

In MV stehe die BVVG für zehn Windgebiete in Verhandlungen mit Investoren – u. a. für eine Sechs-Hektar-Fläche im Windeignungsgebiet „Broderstorf“ im Landkreis Rostock. Auf den Pachtflächen räume die BVVG Investoren Gestattungsverträge für Windkraftanlagen ein. Das lohnt: Bis Ende 2017 rechnet die BVVG in MV mit Einnahmen von 30 Millionen Euro.

Deutschlands Windmüllern wird indes das Geld knapp: Bei immer weniger werdenden Windeignungsflächen würden die Preise seit Jahren stetig steigen, kritisiert Wolfram Axthelm, Sprecher des Bundesverbandes Windenergie: „Die Preisvorstellungen erreichen utopische Höhen.“ Branchenkenner gehen von bis zu mittleren fünfstelligen Summen pro Jahr und Anlage aus. Vor allem staatliche Bodenbesitzer wie die BVVG, Landgesellschaften oder Staatsforsten ließen wenig Verhandlungsspielraum und trieben die Preise hoch. In einigen Regionen stünden die Windmüller nur wenigen Eigentümern gegenüber. Dort hätten sich bereits Monopolstrukturen entwickelt. Private Bodeneigentümer seien aufgeschlossener.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen