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Infrastruktur : Brücken vor dem Verfall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jede dritte Überführung in MV mit deutlichen Schäden / Bauverband: Land fährt auf Verschleiß

svz.de von
erstellt am 13.Mai.2014 | 07:52 Uhr

Rostige Träger, feuchtes Mauerwerk, bröckelnder Beton: Jede dritte der 1259 Brücken an Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen in Mecklenburg-Vorpommern weist so große Schäden auf, dass die „Dauerhaftigkeit“ der Bauwerke „erheblich“ beeinträchtigt oder sogar „unter Umständen nicht mehr gegeben“ ist, geht aus einem jetzt vorgelegten Brückenbericht des Verkehrsministeriums hervor. Jeder zehnten Überführung attestieren die Straßenbauer im Nordosten inzwischen sogar einen „kritischen“ oder „ungenügenden“ Bauwerkszustand“. Mit Folgen: An 35 Brücken haben die Schäden mittlerweile ein Ausmaß erreicht, sodass die Stand- und Verkehrssicherheit „erheblich beeinträchtigt“ oder gar „nicht mehr gegeben ist“. An den Bauwerken haben Fachleute teilweise einen „irreparablen Bauwerksverfall“ festgestellt.

Besserung ist kaum in Sicht: „Wir fahren auf Verschleiß“, beklagt Jörg Schnell, Chef des Bauverbandes MV. Mecklenburg-Vorpommern stecke im „Investitionsstau“ und schiebe einen „enormen Sanierungsbedarf“ vor sich her – der ohne zusätzliches Geld nicht abgebaut werden könnte, so Schnell.

Stattdessen geht den Straßenbauern das Geld aus: Den Angaben des Schweriner Verkehrsministeriums zufolge sind in den kommenden drei Jahren in MV allein für die Reparatur der 281 Brücken an Landesstraßen 27 Millionen Euro notwendig. Für 2014 und 2015 stünden aber nur knapp 18 Millionen zur Verfügung – für Instandsetzung und Ersatzneubauten. Finanznot auch an Bundesstraßen: Auf 18 Millionen Euro schätzen die Straßenbauer den Instandsetzungs- und Ersatzneubaubedarf. In diesem Jahr stehen dem Verkehrsministerium zufolge aber nur 8,71 Millionen Euro für 32 Brücken bereit.

Baumängel auch im kommunalen Straßennetz: Die bundesweit 67 000 kommunalen Straßenbrücken befinden sich häufig in schlechtem oder gerade noch ausreichendem baulichen Zustand, geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) hervor. Etwa 10 000 Überführungen müssten komplett ausgetauscht werden. Für nur etwa die Hälfte sei dies allerdings auch tatsächlich geplant, heißt es in der Difu-Analyse. Früheren Angaben zufolge weist in MV mindestens jede zehnte Brücke erhebliche Mängel auf. Milliarden seien in die Infrastruktur gesteckt worden. Jetzt wären die Kommunen oft nicht in der Lage, ihre Bauwerke zu bewirtschaften, klagen Experten.

Der Finanzbedarf ist riesig: Nach Berechnungen der Difu-Experten seien bis 2030 rund elf Milliarden Euro notwendig, um Ersatzbrücken zu bauen, weitere bis zu sechs Milliarden Euro für den Ersatz von Brückenteilen.


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