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Forschung MV : Born-Forelle hat weniger Stress

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seit 40 Jahren züchtet die Landesforschungsanstalt für Fischerei auf dem Darß aus importierten Eiern Fische.

svz.de von
erstellt am 30.Dez.2015 | 21:00 Uhr

Auch Regenbogen-Forellen sind Ausländer. Die schmackhaften Fische stammen aus Amerika und haben sich erst im Laufe der Zeit über die ganze Welt verteilt. Heutzutage werden sie als Eier, meist aus den USA, importiert und hierzulande in Aquakultur-Anlagen aufgezogen. Doch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es eine ganz eigene Art: die Born-Forelle. Seit 40 Jahren wird sie in der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Born auf dem Darß gezüchtet. Sie wächst dort im Boddenwasser heran, überlebt länger als ihre importierten Artgenossen und bleibt gesünder.

„Erst seit ein paar Jahren kann man die genetischen Ursachen molekularbiologisch erforschen“, sagt der Biologe Dr. Andreas Borchel. Dreieinhalb Jahre forschte er am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf bei Rostock und fand heraus, warum die Born-Forelle gegenüber Stress-Einflüssen besser gewappnet ist. „Wir haben sie zum Beispiel unterschiedlichen Wassertemperaturen ausgesetzt, haben die Besatzdichte in den Becken variiert und auch beide Faktoren kombiniert“, erklärt Borchel. Das Ergebnis: Es liegt an den Genen.

In der Versuchsanstalt Born werden beide Forellen-arten unter bestimmten Bedingungen gehalten. Für sein Projekt entnahm Borchel den Fischen Gewebeproben aus Leber, Niere und Kiemen und analysierte diese im Labor. Die Ergebnisse wurden mit speziellen Computerprogrammen ausgewertet und zeigten: Es gibt deutliche Unterschiede in den genetischen Reaktionen.

„Bei den Born-Forellen sind manche Gene deutlich aktiver als bei den Fischen aus Übersee. Wir nehmen an, dass das der Grund für die höhere Stress-Resistenz ist.“ Außerdem können die hiesigen Fische ungünstige oder wechselnde Bedingungen besser kompensieren und wachsen dann schneller als die Tiere der Vergleichsgruppe. „Das heißt, für die Haltung unter natürlichen Bedingungen ist die Born-Forelle wesentlich besser geeignet.“

Der 28-jährige Wissenschaftler fand noch einen weiteren möglichen Zusammenhang: Werden die Forellen mit einem bestimmten Bakterium infiziert, erweisen sich wiederum die einheimischen als widerstandsfähiger. Bei ihnen nimmt die Aktivität eines bestimmten Gens dann enorm zu und verändert sich im Vergleich zu denselben Sequenzen bei den Import-Fischen.

Die Zahlen sprechen für sich: Etwa 80 Prozent der importierten Forellen gingen an der ausgelösten Krankheit zugrunde, bei den einheimischen war es maximal ein Drittel. Ein nächster Forschungsschritt soll zeigen, woher die unterschiedliche Gen-Aktivität kommt. „Wenn der Zusammenhang wissenschaftlich endgültig bewiesen ist, könnte man diese Gene – mit herkömmlichen Zuchtmethoden – auch in andere Forellen-Linien einkreuzen. Das würde deren Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress und Krankheiten erhöhen.“ Denn möglicherweise wirke sich Stress auch auf das Wachstum und die Fleischqualität aus. „Ich könnte mir vorstellen, dass der Fisch dann auch besser schmeckt“, sagt Borchel. „Das müsste noch getestet werden.“

Wissenschaftlich ist die Forelle nun sozusagen Modell-Fisch. „Wenn wir endgültig beweisen können, dass dieses eine Gen für die Resistenz gegen das Bakterium verantwortlich ist, könnte sich dieser Effekt auch bei anderen essbaren Fischen wie Lachs oder Ostsee-Schnäpel zeigen, wenn man diese positive Erbanlage einkreuzt. Denn die Krankheit greift in einer Zucht schnell um sich und kann die gesamte Population bedrohen."

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