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Biodieselwerke legen Investitionen auf Eis

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Branche fürchtet mit Quoten-Neuregelung ab 2015 erneute Absatzkrise

Existenznot am Öllager: Ab 2015 geltende Neuregelungen zur Reduzierung der Treibhausgas-Emmissionen auf dem Kraftstoffmarkt setzen die Zukunft der noch verbliebenen drei Biokraftstoffwerke in MV aufs Spiel. Die Branche laufe Gefahr, weitere Unternehmen und Arbeitsplätze zu verlieren, erklärte Robert Figgener, Chef des Ecomotion-Biodieselwerkes Sternberg und Präsident des Verbandes der Biokraftstoffindustrie.

Ab 2015 soll in Deutschland die Biokraftstoffquote von 6,25 Prozent auf eine so genannte Treibhausgasvermeidungsquote umgestellt werden. Bislang war die Mineralölindustrie verpflichtet, eine Mindestmenge an Biokraftstoffen einzusetzen. Künftig muss sie die CO2-Emissionen ihrer gesamten Absatzmenge um drei Prozent senken. Damit drohen den Werken erneut drastische Absatzeinbrüche. Das stelle die Branche vor einen „Scherbenhaufen“, so Figgener. Durch Optimierung der Herstellungsprozesse sei das CO2-Einsparpotenzial gegenüber herkömmlichen Kraftstoffen bereits weiter erhöht – von 38 auf 50 Prozent. Das könnte der Branche jetzt auf die Füsse fallen: Da die Treibhausgasemissionen deutlich stärker als erwartet reduziert wurden, müsse künftig weniger Biokraftstoff zur Quotenerfüllung genutzt werden, als erwartet. Es seien nur noch 1,5 Millionen Tonnen Biokraftstoffe notwendig, derzeit die Kapazitäten aber auf 2,3 Millionen Tonnen ausgelegt, so Figgener: Ohne Änderung stehe die Branche vor „katastrophalen Auswirkungen.“ Würden die Regelungen umgesetzt wie vorgesehen, werde es von den verbliebenen 25 Werken in Deutschland „den einen oder anderen umhauen“, befürchtet der Verbandschef. Da in anderen EU-Ländern die Umsetzung der Treibhausgasvermeidungsquote weniger strikt umgesetzt würden und Kontrollmechanismen fehlten, bestehe die Gefahr, dass Nachweise zur Treibhausgasreduktion gefälscht würden und schlechterer Biodiesel auf den Markt komme. Figgener: „Wir haben Sorge, dass Schindluder getrieben wird.“

Dabei hat sich die Branche gerade aus ihrer bisher tiefsten Krise ein wenig erholt: „Der Markt funktioniert wieder halbwegs“, so Figgener. Antidumpingzölle auf Bio-Kraftstoff aus Amerika und Asien hätten die Nachfrage nach deutscher Ware wieder steigen lassen. Das Sternberger Werk sei im ersten Quartal vollständig ausgelastet gewesen.

Nach Aufhebung der Steuerfreiheit für Biodiesel und der Einführung einer Biokraftstoffquote war der Markt in Deutschland nahezu zusammengebrochen. Spediteure hatten ihre Lkw-Flotten wieder auf herkömmlichen Kraftstoff umstellen lassen. Zudem setzten subventionierte Biodiesel-Importe aus Indonesien, Südamerika und den USA der Branche zu. Mit drastischen Folgen: Neubrandenburg, Malchin, Grimmen – jedes zweite Biodieselwerk in MV musste geschlossen werden. In Lubmin arbeitet nur noch eine Ölmühle. Zu Lasten der Steuerzahler: Der Aufbau der Werke war zuvor massiv gefördert worden – mit25 Millionen Euro. Es kommt noch schlimmer: Die immer wieder veränderten Regelungen hätten inzwischen dazu geführt, dass die Branche nicht mehr bereit sei, weiter Geld in die Entwicklung von Biokraftstoffen der neuen Generation zu stecken. Figgener: „Die Investitionen liegen auf Eis.“


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erstellt am 29.Apr.2014 | 17:37 Uhr

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