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Investitionen in neue Anlagen gestoppt : Bio-Kraftwerke in der Verlustzone

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

EEG-Vergütung gedeckelt: Branche steht vor Millioneneinbußen

svz.de von
erstellt am 22.Mai.2015 | 12:00 Uhr

Biogasanlagen in MV werden zum Auslaufmodell: Die neu festgelegte Deckelung der gesetzlich garantierten Vergütung des Stroms aus Biomasse beschert Betreibern von Biogasanlagen aus Mecklenburg-Vorpommern Millionenverluste. Inzwischen seien Investitionen im Land nahezu eingestellt, erste Anlagen stünden vor der Insolvenz, erklärte Bernd Pommerehne, Anlagenbetreiber und Chef des Branchenvereins Nachhaltige Energien aus Altkalen im Landkreis Rostock. Seit mit der Novellierung des Erneuerbaren Energiengesetzes (EEG) eine sogenannte Höchstmessungsgrenze eingeführt worden sei, die die gesetzlich garantierte Vergütung kürze und nur noch 95 Prozent der bisherigen Anlagenleistung berücksichtige, rechne sich für viele Betreiber die Biogaserzeugung kaum noch. Die jetzt gestrichenen fünf Prozent hätten für viele Anlagen den Gewinn ausgemacht, meinte Pommerehne.

Die Branche ist sauer: Die Unternehmen hätten im Vertrauen auf Verpflichtungen in bisherigen EEG-Gesetzen investiert, stünden jetzt aber vor Millionenverlusten, erklärte Pommerehne. Allein die Mitgliedsfirmen des Vereins Nachhaltige Energien erwarten Verluste von 5,5 Millionen Euro jährlich. Einzelnen Anlagen gingen 50 000 Euro jährlich verloren. „Das ist der Todesstoß für die Biogasbranche“, meinte Pommerehne. Betroffen seien vor allem Betreiber, die erst kürzlich in hochwertige Technik investiert haben, um ihre Anlagen besonders gut auszulasten. Anlagenerweiterungen und Effizienzsteigerungen würden jetzt aber unwirtschaftlich. Immer mehr der bis zu 40 000 Jobs in der Branche gerieten in Gefahr. Inzwischen hätten erste Anlagenbauer Insolvenz anmelden müssen. In MV sind derzeit 511 Biogasanlagen mit einer installierten Leistung von 273 Megawatt in Betrieb. Pommerehne rechnet damit, dass ein Teil der mit Millionenaufwand aufgebauten Anlagen künftig kaum bestehen könnte. Die Neuregelung hat indes ein juristisches Nachspiel: Der Verein Nachhaltige Energien hat Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht (wir berichteten).

Die EEG-Pläne stellen indes das erst zu Jahresbeginn vorgestellte Energiekonzept des Landes infrage: Danach geht Energieminister Christian Pegel (SPD) bis 2025 von einer installierten Leistung der Biogasanlagen von 0,35 Gigawatt aus. Noch im vergangenen Jahr hieß es in einer Analyse des Landesumweltamtes, ein „Ausbauende ist derzeit nicht abzusehen“. Jetzt steht es bevor: Der Branche zufolge sind weitere Investitionen über die bisher installierte Leistung von 0,27 Gigawatt nach den neuen Regeln kaum noch vertretbar. Besorgniserregend, meint Caspar Baumgart, Vorstand des Regionalversorgers Wemag in Schwerin: „Biogas ist ein wesentlicher Bestandteil des Energiemixes, da es als regelbare, erneuerbare Energie den Wegfall von fluktuierenden Anlagen sicher ausgleichen kann.“

 

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