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Studie : Billiglöhne für Lehrlinge in MV

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vergütungen oft nur halb so hoch wie in anderen Bundesländern

svz.de von
erstellt am 19.Mai.2015 | 08:01 Uhr

Auszubildende in MV müssen mit den bundesweit niedrigsten Ausbildungsvergütungen auskommen: Im Einzelhandel, in der Hotel- und Gaststättenbranche, Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie, im Groß- und Außenhandel – in keinem anderen Bundesland werden niedrigere Tarifvergütungen für Lehrlinge gezahlt, hat das WSI-Tarifarchiv in Düsseldorf ermittelt. Besonders eklatant sind die Unterschiede im Transport- und Verkehrsgewerbe: Dem Tarifvergleich zufolge erhalten Auszubildende in MV etwa ein Drittel von dem, was in Baden-Württemberg gezahlt wird, etwa die Hälfte von dem aus Schleswig-Holstein (SH). Große Unterschiede auch im Hotel- und Gaststättengewerbe: Ein Lehrling im dritten Lehrjahr erhält im Tourismusland MV trotz Zuwächsen in den Vorjahren 610 Euro, beim Wettbewerber Bayern sind es 896 Euro.

Weniger Geld im gleichen Lehrberuf: In nicht tarifgebundenen Firmen fielen die Unterschiede noch größer aus, kritisierte DGB-Nord-Vize Ingo Schlüter. In MV zahlt nur jede vierte Firma Tariflöhne. Die Unterschiede seien nicht mehr zu rechtfertigen, da Lehrlinge häufig in der Ausbildung einen Nettogewinn erwirtschafteten. Angesichts der schlechteren Bedingungen sei es ihnen nicht zu verdenken, wenn sie zur Lehre in andere Länder wechselten. Für das niedrige Lohnniveau bekommt die Wirtschaft die Quittung: Zu Beginn des Lehrjahres blieben landesweit 1200 Ausbildungsplätze unbesetzt. „Wer meint, künftig ohne Tariflöhne auszukommen, muss sich über unbesetzte Lehrstellen nicht beklagen“, so Schlüter.

Erste Einsichten bei den Arbeitgebern: In vielen Berufen würden inzwischen gleich hohe Vergütungen gezahlt, wie z. B. in der Metall- und Elektrondustrie, erklärte Jens Matschenz, Sprecher der Vereinigung der Unternehmensverbände MV gestern. Analog der allgemeinen Gehaltsentwicklung würden sich auch die Ausbildungsvergütungen permanent nach oben bewegen – nicht zuletzt wegen der weniger werdenden Bewerber. Über die Vergütung hinaus beteiligten sich die Arbeitgeber auch an den Kosten für Fahrt und Unterbringung – in der Metall- und Elektroindustrie inzwischen über 30 Prozent der Betriebe.  

 

 

 

 

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