Billigimporte verdrängen Traditionshandwerk

Schneider, Segelmacher, Schornsteinbauer: alte Berufe werden zum Auslaufmodell

svz.de von
21. März 2014, 16:25 Uhr

Kfz-Mechatroniker, Elektroniker und Friseurin statt Schneider, Segelmacher oder Schornsteinbauer: Traditionelle Handwerksberufe werden in MV zum Auslaufmodell. Die industrielle Fertigung und billige Importwaren machten dem Handwerk das Geschäft streitig. Schuster oder Korbflechter: In einigen Bereichen reichten die Aufträge gerade, um den Betriebsinhaber zu ernähren – für die Ausbildung des Berufsnachwuchses aber nicht, erklärte Karin Klehr, Ausbildungsexpertin der Handwerkskammer Schwerin. So kämen Schuhe oder Textilien heutzutage häufig aus billigeren Importländern, während den traditionellen Handwerksbetrieben nur noch eine Nischenproduktion bleibe oder Reparaturarbeiten blieben. In Westmecklenburg gebe es beispielsweise gerade noch drei Schneidereien, die nur noch gelegentlich ausbildeten. Die Schuhmacher im Land zählen derzeit noch sieben Lehrlinge. Beton- und Stahlbetonbauer, Segelmacher, Orgelbauer, Feuerungs- und Schornsteinbauer: Andere Berufe seien ganz verschwunden. In den Bereichen werde in MV seit Jahren nicht mehr ausgebildet. Klehr: „Das geht immer weiter.“

Das Handwerk orientiert sich neu: Ein großer Teil der Handwerksberufe sei im Laufe der letzten Jahrzehnte zusammengefasst, neu geordnet und umbenannt worden. Die Branche passe sich der technischen Entwicklung an, meinte Klehr. So habe sich der Kfz-Mechaniker angesichts der Technisierung schon seit 2007 zum Kfz-Mechatroniker gewandelt. Ab Herbst diesen Jahres werde zudem aus der Kauffrau für Bürokommunikation die Kauffrau für Büromanagement.

Das Handwerk steht unter Druck: Nach dem drastischen Rückgang der Schulabgänger in MV schlossen die Handwerksbetriebe im vergangenen Jahr nur noch 1747 neue Lehrverträge ab – nur noch halb so viel wie vor Jahren. Bei der Berufswahl konkurriert der Bereich mit attraktiveren Berufen in der Industrie oder Telekommunikationsbranche. Das Handwerk wirbt bei jungen Leuten indes vor allem mit guten Zukunftschancen. Die Betrieb würden Übernahmemöglichkeiten nach der Ausbildung bieten. Nahezu jeder Lehrling bekomme nach der Ausbildung einen Job, meinte Klehr.:„Die Perspektive ist super.“

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