Imker : Bienen leiden unter Platzmangel

Hat 100 Bienenkästen aufgestellt: Bio-Imker Hartmut Heldt
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Hat 100 Bienenkästen aufgestellt: Bio-Imker Hartmut Heldt

Öko-Imker geben Honiglieferanten mehr Raum / Bienen müssen wieder selbst ran und Waben selbst bauen

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21. März 2014, 20:37 Uhr

Es klingt unglaublich: Nicht nur Hühner, Puten oder Schweine werden beengt gehalten, selbst Honigbienen haben oft zu wenig Platz im Bienenstock. „Das ist der Fall, wenn der Imker den Schwerpunkt auf maximale Honigausbeute legt“, erklärt Mirko Lunau, der mit Hartmut Heldt in Cambs-Ahrensboek bei Schwerin eine Öko- Imkerei betreibt. Bei ihnen stehe die Biene im Mittelpunkt. „Aber natürlich müssen wir auch Honig verkaufen“, sagt Heldt. Die Bestäubungsleistung ihrer Bienen bekämen sie ja nicht bezahlt. Die Männer arbeiten nach den Richtlinien des Bio-Verbandes Demeter. „Dort sind die Richtlinien am schärfsten“, so Lunau. Die Kriterien kämen den Bedürfnissen und dem natürlichen Verhalten der Biene am nächsten.

Die Biene ist ein wirtschaftliches Schwergewicht. Dem Würzburger Bienenforscher Jürgen Tautz zufolge gilt sie als wichtigstes Nutztier nach Rind und Schwein. Er bezifferte den Nutzen weltweit aus der Bestäubungsleistung und dem Honig auf 153 Milliarden Dollar im Jahr, zwei Milliarden in Deutschland. Der Wert der Bestäubung sei dabei zehnmal höher als der des Honigs.

Heldt und Lunau sind Partner in der „lebensmittelpunkt – Dr. M. Lunau und H. Heldt GbR“, einer Mosterei und Imkerei. Beides ergänzt sich gut. 100 Bienenkästen haben Lunau und Heldt auf Streuobstwiesen und anderen Flächen stehen. 300 Völker brauchten sie, um von der Imkerei leben zu können. Derzeit sind sie beim Frühjahrsschnitt der Apfel- und Birnbäume.

Die Bienen fliegen zeitig in diesem Jahr. Blüten finden sie zunächst fast nur in den Gärten. Später werden sie die Obstbäume bestäuben. Äpfel, Kirschen und Birnen würden ohne ihr Zutun nur etwa ein Viertel des Ertrags bringen, sagt der Chef des Bienenzuchtzentrums Bantin, Winfried Dyrba. Unwiderstehlich wirkt auf Bienen blühender Raps. „Sie fliegen natürlich auch konventionellen Raps an“, sagt Lunau.

Damit der Honig trotzdem Bio ist, müssen unabhängige Analysen zeigen, dass er rückstandsfrei ist. Vor allem aber sind strenge Öko- Kriterien für die Haltung wichtig. „Das Entscheidende der Demeter- Bienenhaltung ist (...) nicht wie bei anderen Haustier-Arten die Bindung an die Futterflächen des Betriebes, sondern die Art und Weise dieser wesensgemäßen Bienenhaltung“, heißt es in der Richtlinie. So dürfen die Bienen bei Krankheiten nur mit natürlichen Mitteln statt chemisch-synthetischen Medikamenten behandelt werden, erklärt Heldt. Die Bienenkästen müssen aus Materialien wie Holz, Stroh und Lehm sein. Die Völker vermehren sich durch die natürliche Bildung neuer Schwärme, es werden keine Zuchtköniginnen zugekauft. Der Brutraum soll so groß sein, dass jederzeit außer der Brut auch noch Pollen- und Honigvorräte in ihm Platz finden. Außerdem bauen die Bienen die Waben in der Demeter-Imkerei selbst. Es dürfen nicht zu viele Völker an einem Fleck stehen, um Nahrungskonkurrenz zu vermeiden. Bei Heldt und Lunau bleibt den Bienen im Herbst relativ viel eigener Honig im Brutraum, der nicht geerntet wird und der nach Bedarf mit Bio-Zucker, Kamillentee und Salz ergänzt wird.

Noch macht sich der Mehraufwand für die Imker nicht bezahlt – „insbesondere in einem Umfeld, in dem viele Imker ihren Honig immer noch zu billig abgeben, was die Preise künstlich niedrig hält“, so Lunau. Bisher vermarkten sie Honig und Saft nur in ihrer Mosterei und im Hofladen Medewege bei Schwerin. „Aber wir sind auch mit Bio-Läden in Hamburg und Berlin im Gespräch“, sagt er. Darüber hinaus wollen sie aber auch den Demeter-Gedanken weitergeben. Heute starten sie in Cambs den ersten von sechs Kursen zum ökologischen Imkern.

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