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Gesundheit : Betriebssport noch Stiefkind in MV

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Hierzulande hinken die Unternehmen bei der Unterstützung einer sportlichen Betätigung ihrer Mitarbeiter noch hinterher. Doch nun entdeckt manche Firma den Wert für den Teamgeist.

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2015 | 09:13 Uhr

Katja Wandt von der Firma Uni Roka in Rostock hat den richtigen Betriebssport für ihr Familienunternehmen entdeckt: Stand Up Paddling (SUP). 7 der 45 Mitarbeiter haben im Sommer das Stehpaddeln trainiert und sich einmal wöchentlich auf der Warnow auf die Bretter gestellt, erzählt die 36-Jährige in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Beim Teamsport-Cup auf der HanseSail kam die Mannschaft der Kanalreinigungsfirma gleich auf Platz drei. „SUP war ein hundertprozentiger Erfolg. Ich war überrascht, dass es so gut angekommen ist“, sagte die Frau vom Juniorchef, die zuvor schon privat Erfahrungen auf den Paddelbrettern gesammelt hatte. Für die Firma versprach sie sich Positives für den Teamgeist und wurde nicht enttäuscht. „Die Kosten sind für die Firma tragbar. Aber der Effekt, die Kollegialität, die dabei entsteht, ist unbezahlbar“, sagte Wandt.

Trainiert wurde das Uni Roka-Team im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung von der Rostocker Firma MedPrevio. Deren ärztlicher Leiter Philip Michel ist ein großer Verfechter des SUP.

Er schwärmt davon, dass das Paddeln im Stehen leicht zu erlernen ist, dass es das Gleichgewichtssystem und die Tiefenmuskulatur trainiert und dass es eine Sportart auch für kleine Teams ist. Wenn mal nicht alle da sind, kann trotzdem trainiert werden. 14 Unternehmen in Rostock und Umgebung hätten im Sommer SUP ausprobiert, berichtete er.

Darüber hinaus bietet Medprevio auch Kurse wie Rückentraining, Pilates, Yoga und Nordic Walking in Unternehmen in Mecklenburg- Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg an. Viele große Unternehmen hätten mittlerweile Sport- und Fitness-Räume, wo Beschäftigte vor oder nach, teilweise auch während der Arbeitszeit trainieren oder Entspannungsübungen machen können, sagte Michel. In Mecklenburg-Vorpommern stecke diese Art Gesundheitsvorsorge aber noch in den Anfängen. Auch Betriebssport ist keine Stärke der Unternehmen im

Nordosten. Während etwa der Betriebssportverband Hamburg die Interessen von Sportgemeinschaften in fast 500 Unternehmen, Behörden und Institutionen vertritt, existiert der Betriebssportverband Mecklenburg-Vorpommern gar nicht mehr.

Im Land kümmert sich seit knapp zwei Jahren das Netzwerk Arbeit und Gesundheit um die betriebliche Gesundheitsförderung. Dabei machen Sport und Kurse nur einen kleinen Teil aus, wie die Netzwerk- Koordinatorin Solveig Streuer sagte. Die Belegschaften würden Massagen dem Betriebssport vorziehen, meinte sie. Die Krankenkassen bieten Kurse zur Stress- und Suchtbewältigung, zur gesunden Ernährung sowie Bewegungskurse an, für die es auch eine Förderung gibt. 

Die meisten Betriebssportgruppen im Land lösten sich Anfang der 1990er Jahre mit den Betrieben auf, wie der einstige Übungsleiter Günter Hielscher sagte. Er stand früher der BSG Aufbau des Wohnungsbaukombinats Neubrandenburg mit mehreren Sparten vor. „In Neubrandenburg gibt es heute keine Betriebssportgemeinschaften mehr“, sagte der 76-Jährige.

An Betriebssportgemeinschaften früheren Zuschnitts erinnert heute noch die der Landesregierung in Schwerin. Die knapp 100 Mitglieder trainieren Volleyball, Badminton, Fußball, Tischtennis und Gymnastik, berichtete der Vorsitzende Ulrich Brämer. Für die Trainingsstunden von Montag bis Donnerstag mietet der Verein Schulsporthallen an. „Die Mitgliedsbeiträge gehen für die Hallenmiete drauf“, sagte er.

Zuschüsse von der Landesregierung gebe es nicht. Die Übungsleiter kämen aus den eigenen Reihen und arbeiteten unentgeltlich. Bei der Gründung vor gut 20 Jahren seien die Sportler noch über die Landesregierung versichert gewesen, weil das Training als Dienstsport galt. Doch auch das sei lange vorbei, sagte Brämer.

Beim Norddeutschen Rundfunk in Schwerin existiert ebenfalls noch eine Betriebssportgemeinschaft. Neun Frauen machen unter Anleitung einer Physiotherapeutin Gymnastik. Außerdem gibt es eine Golfgruppe. Wie Hörfunkchef Jürgen Hingst sagte, finden sich zeitweilig Ruderer und Tennisspieler zusammen, um an Firmenmeisterschaften teilzunehmen.

Ähnlich ist es bei anderen Unternehmen. Beliebt ist bei vielen der   Drachenbootsport. Doch nur wenige Betriebsmannschaften trainieren ganzjährig. Wie der Vize-Vorsitzende des Landesdrachenbootverbands, Stefan Eckardt, sagte, buchen Firmen bei Kanuvereinen Trainingseinheiten oder schließen eine Saisonmitgliedschaft ab, um sich auf Meisterschaften vorzubereiten. „Die Betriebe sehen das als Maßnahme zum Teambuilding an“, meinte er.

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