zur Navigation springen

Landwirtschaft in MV : Beihilfestopp für Agrarindustrie

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mehr Hilfe für kleine Betriebe, höhere Öko-Prämie: Verbände legen Sieben-Punkte-Plan zum Umbau der Landwirtschaft in MV vor

svz.de von
erstellt am 21.Jan.2015 | 07:43 Uhr

Weniger Tiere im Stall, kleinere Höfe mit mehr Arbeitskräften, einer ressourcenschonenden Landnutzung, artgerechter und landgebundener Tierhaltung sowie ein Förderstopp für die Agrarindustrie und stärkere Anreize für Öko-Bauern: Drei Tage nach der Demonstration Zehntausender für eine bessere Landwirtschaft vor den Toren der Grünen Woche in Berlin haben gestern Umwelt-, Natur- und Tierschützer sowie renommierte Wissenschaftler einen Sieben-Punkte-Plan zum Umbau der nach ihrer Ansicht „naturfeindlichen Agrarindustrie“ in MV vorgelegt. Die bisherige Entwicklung der „auf Masse orientierten Landwirtschaft“ habe zu einem Verlust der biologischen Vielfalt „ohne Beispiel“ geführt, erklärte Prof. Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises, gestern in Schwerin. Mehr Chemie, immer größere Maschinen: Der Arbeitsplatz Landschaft sei „vernichtet“ worden. Die Branche in MV verfüge bundesweit über die wenigsten Arbeitskräfte je Hektar, aber über die höchsten Gewinne je Betrieb, kritisierte Jörg Kröger, Unternehmerverband Mit Lust an Natur (MiLaN): „Die klassische Landwirtschaft ist ein Auslaufmodell.“ Das komme den Steuerzahler teuer zu stehen. Neben den Agrarsubventionen müssten sie für die sozialen und ökologischen Folgen aufkommen, sagte Succow: Die „naturfeindliche Landwirtschaft“ sei an einem Punkt angekommen, der einer Wende bedarf. Mit einer „Allianz der Vernünftigen“ müssten die Fehlentwicklungen korrigiert werden.

Kern des von der Greifswalder Gruppe von 13 Verbänden und Einzelpersonen vorgelegten Programms sind u. a. die Einführung von Obergrenzen in der Tierhaltung – höchstens 1500 Mastschweine, 560 Sauen, 600 Kühe, 30 000 Mastgeflügel je Stall. Bisherige Neubauten übersteigen die Obergrenzen um ein Vielfaches. Zudem solle die Agrarförderung auf bäuerliche Betriebe bis 500 Hektar begrenzt und der Öko-Landbau bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent der Agrarfläche ausgedehnt werden. Dazu müsse MV ein eigenes Landesprogramm auflegen und die Vermarktung von Öko-Produkten stärker fördern, forderten Burkhard Roloff, Agrarexperte des Bundes für Umwelt und Natur (BUND). Das Bündnis plädiert zudem für ein Moratorium für den Verkauf von Staatsflächen. Pachtverträge mit der Agrarindustrie sollten nicht verlängert, stattdessen Äcker für kleinere Betriebe zur Verfügung gestellt werden.

Mit dem Aktionsplan reagiert die Greifswalder Gruppe auf die 2013 gescheiterten Gespräche einer von Agrarminister Till Backhaus (SPD) eingesetzten Expertengruppe über einen von Land, Bauern, Umwelt- und Naturschützern sowie Kirchen getragenen Masterplan zur Neuausrichtung der Landwirtschaft in MV. Umwelt- und Naturschützer sowie Kirchen hatten die Gespräche 2013 scheitern lassen, nachdem das Gremium sich nur auf einen Minikonsens einigen konnte, Obergrenzen in der Tierhaltung aber ausgespart.

Backhaus reagierte gestern offen auf das neue Papier und bot Gespräche an. Zugleich kritisierte er aber, dass die Auseinandersetzung „zunehmend nur noch auf eine Konfrontation zwischen Landnutzern und Landschützern oder Tierhaltern und Tierschützern zuläuft und die Dialogbereitschaft auf beiden Seiten rapide sinkt.“ Der Bauernverband hatte der Greifswalder Gruppe vorgeworfen, nur über die Landwirte nicht aber mit den Landwirten zu reden. Bauernpräsident Rainer Tietböhl erklärte, „Leistungssteigerungen haben nicht zu negativen Umweltauswirkungen“ geführt. Auch der Agrarexperte der Linksfraktion, Fritz Tack, kritisierte den fehlenden Dialog mit den Landwirten. Unterstützung erhielt die Greifswalder Gruppe von den Grünen: Das Programm zeige einen Ausweg aus der Sackgasse, erklärte Ursula Karlowski, agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen