Bei Schlecker wird es dunkel

svz.de von
01. Juni 2012, 08:28 Uhr

Ehingen/Berlin | Bei Schlecker gehen die Lichter aus, 13 200 Mitarbeiter stehen bald auf der Straße: Das zahlungsunfähige Unternehmen wird zerschlagen, weil die Verluste und die Risiken zu hoch waren - und sich deswegen kein Investor finden ließ. Der Gläubigerausschuss habe keine Perspektive für eine wirtschaftlich vertretbare Fortführung oder die Veräußerung des Gesamtkonzerns an einen Investor mehr gesehen, hieß es gestern nach der entscheidenden Sitzung des Gremiums in Berlin. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sagte, die Kündigungen an die 13 200 betroffenen Mitarbeiter von Schlecker Deutschland sollten bis Ende Juni verschickt werden. Schlecker starte nun zeitnah den Ausverkauf in seinen rund 2800 deutschen Märkten. Auch den Verkauf der Vermögenswerte, etwa der Logistik-standorte und Immobilien des Unternehmens, will Geiwitz zügig abschließen.

Vorausgegangen war ein vier Monate währender Überlebenskampf des Unternehmens. Ende Januar meldete Schlecker Insolvenz an, bis zuletzt hatte Geiwitz auf Investoren gehofft, die das Unternehmen weiterführen würden. Er hatte den verbliebenen beiden Interessenten vergangene Woche ein Ultimatum gesetzt: Sie sollten bis Freitagmorgen ein belastbares und für die Gläubiger akzeptables Angebot einreichen. "Die Angebote waren nicht akzeptabel, weil sie deutlich unter einer Zerschlagung lagen", so Geiwitz.

Der Milliardär Nicolas Berggruen hatte sein Interesse angemeldet. Doch nachdem er Karstadt aus der Insolvenz übernommen hatte, bekommt er nach einem vergeblichen Anlauf bei Kaufhof nun erneut nicht den Zuschlag. Auch der US-Finanzinvestor Cerberus galt als Interessent. Ohne einen finanzstarken Investor war das Aus für Schlecker besiegelt. Zudem standen hohe Personalkosten im Weg. Laut Geiwitz hätten die Mitarbeiter zeitweise auf 15 Prozent ihres Lohnes verzichten müssen.

Die Gewerkschaft ver.di bot allerdings lediglich einen Verzicht von 10,5 Prozent an. Kündigungsschutzklagen von mehr als 4000 entlassenen Mitarbeitern bedeuteten zudem ein finanzielles Risiko von mehr als 100 Millionen Euro.

"Wenn wir ehrlich sind, dann funktionierten wir ab Mitte der 90er-Jahre wie ein Schneeballsystem. Es ging nur weiter, weil wir es ständig erweiterten", zitierte das "Handelsblatt" einen so genannten Altdirektor, angeblich einen der engsten Vertrauten von Firmenpatriarch Anton Schlecker.

Schlecker hatte auf dem Höhepunkt seines Wachstums mit über 8000 Filialen in Deutschland mehr als doppelt so viele Märkte wie die gesamte Konkurrenz. Allerdings erwirtschafteten Rossmann und dm in attraktiveren Lagen und mit größerem Sortiment mit der Zeit immer mehr Gewinn, während er bei Schlecker zurückging.

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