Schwerin : Baustopp für ersten Bürger-Windpark

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Anwohner klagt gegen elf Anlagen nahe Schwerin. Gemeinden warten auf Einnahmen

svz.de von
30. September 2015, 06:30 Uhr

Ruhe im Windfeld: Der erste Kommunalwindpark mit Bürgerbeteiligung in Mecklenburg-Vorpommern liegt vorerst auf Eis. Der Bau der vorgesehenen elf Öko-Kraftwerke in der Region Holthusen, Bandenitz, Sülstorf und Alt Zachun südlich von Schwerin verzögert sich. Ein Anwohner habe gegen die Baugenehmigung Widerspruch eingelegt, teilte der Schweriner Windparkentwickler Naturwind mit. Dem Widerspruch habe dann zunächst das Verwaltungsgericht Schwerin stattgegeben, jetzt müsse das Oberverwaltungsgericht Greifswald entscheiden (AZ 3M28). Der an dem Projekt beteiligte Regionalversorger Wemag Schwerin rechnet mit mehrmonatigem Bauverzug.

Der Windpark ist der erste in Mecklenburg-Vorpommern, an dem sich Gemeinden und Bürger mit bis zu 25 Prozent beteiligen und in den nächsten zwei Jahrzehnten Einnahmen in Millionenhöhe erwarten können. Das Land hatte dem Windpark zu Jahresbeginn in einem so genannten Zielabweichungsverfahren auch außerhalb der bislang vorgesehenen Eignungsgebiete zugestimmt. Ursprünglich sollten bereits in diesem Jahr die ersten Anlagen in einem ersten Bauabschnitt nahe Bandenitz errichtet werden und ans Netz gehen. Bislang konnten aber lediglich erste Erschließungswege angelegt werden, erklärte Naturwind-Prokurist Matthias Kaulmann. Auch seien die Anlagen bestellt worden, für die bereits Finanzierungskosten anfielen.

Der Baustopp kommt Betreibern und beteiligte Kommunen teuer zu stehen: Mit jedem weiteren Verzug nehme die Wirtschaftlichkeit des Projektes ab, erklärte Kaulmann. Auch zahle sich die Beteiligung der Kommunen erst später in den Gemeindekassen aus. Nach bisherigen Ertragsrechnungen hätte jede der beteiligten Gemeinden in 20 Jahren mit Einnahmen aus der Beteiligung von 1,15 Millionen Euro und weiteren Zahlungen aus Pachten von 600 000 Euro rechnen können. Je drei Monate Verzug schlagen Schätzungen zufolge nun erstmal mit einem Vermögensschaden von mehr als einer halben Million Euro in den kommenden 20 Jahren zu Buche.

Der Weiterbau des Windparks ist derzeit unklar. Bislang gebe es keinen Termin für eine Entscheidung des Gerichts, sagte Gerichtssprecherin Dorothea ter Veen gestern. Derzeit würden Stellungnahmen der Beteiligten eingeholt. Das Verfahren sei nicht entscheidungsreif. Wemag-Vorstand Thomas Pätzold rechnet nicht vor 2016 mit einem Baubeginn.  

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