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Protest in Schwerin : Bauern verschenken Milch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dumpingpreise auf dem Milchmarkt treiben die Bauern auf die Straße.

svz.de von
erstellt am 31.Mai.2015 | 09:00 Uhr

Schleuderpreise auf dem Milchmarkt treiben die Bauern auf die Straße: Am Montag – Internationaler Tag der Milch – wollen die Landwirte in MV unter dem Motto „Milch ist mehr wert“ in Schwerin Milch verschenken und damit auf die Dumpingpreise aufmerksam machen. Aldi, Lidl & Co. hatten vor Wochen die Preise für Milchprodukte gesenkt und bieten einen Liter Milch für nur noch 55 Cent an. Damit bleiben für die Bauern derzeit nur 29, in einigen Unternehmen sogar nur 27 Cent je Liter Rohmilch übrig, kritisierte Gerd Göldnitz, Vizepräsident des Landesbauernverbandes und Chef des Agrarproduktgesellschaft Lübesse im Landkreis Ludwiglust-Parchim – 10 Cent weniger als noch vor einem Jahr.

Zu wenig für eine rentable Milchproduktion: Einbußen auf Exportmärkten in Russland und Asien haben in Deutschland zu einem Rohmilch-Überangebot geführt und die 850 Milchbauern in MV mit ihren 185  000 Kühen in eine tiefe Preiskrise gestürzt. Vor allem auch die EU-Sanktionen gegen Russland und der darauf verhängte Lieferstopp für Lebensmittel aus der EU nach Russland hätten die Preise zusätzlich unter Druck gesetzt, sagte Göldnitz. Dennoch seien die drastischen Preissenkungen nicht gerechtfertigt, da vor einem Jahr die Milchmenge noch höher gelegen habe.

In den Ställen bleiben indes die Gewinne aus: Die Preise reichten nicht für eine rentable Produktion. In den letzten Jahren hätten viele Bauern mit der Milch kein Geld mehr verdienen können, meinte Göldnitz. Vor allem für Betriebe, die sich auf die Milchproduktion ausgerichtet, kräftig für mehr Tierwohl und Effizienz im Stall investiert und nun den Kapitaldienst zu leisten hätten, werde es eng. Immer wieder müssten Betriebe aufgeben. Andere Unternehmen könnten nur noch durch den Ausgleich aus anderen Betriebsbereichen die Produktion aufrechterhalten.

Nach dem Wegfall der Milchquote Anfang April versuchten einige Landwirte durch Aufstockung der Kuhbestände noch stärker an der Effizienzschraube zu drehen.

Zu der Schenkaktion am Montag wird auch Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) erwartet. Bei einem Treffen mit dem Regierungschef wollen die Bauern darauf drängen , die Bemühungen zur Lösung des Russlandkonflikts zu verstärken, um die Lieferung von Molkereiprodukten wieder aufnehmen zu können.

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