Landesbauerntag : Bauern bangen um Absatzmärkte

Seine Warnung vor Gigantismus in der Tierhaltung brachte ihm Kritik ein: Präsident  Rainer Tietböhl
Seine Warnung vor Gigantismus in der Tierhaltung brachte ihm Kritik ein: Präsident Rainer Tietböhl

Russland-Geschäfte stocken / Landwirte streiten über Größe von Tierhaltungsanlagen / Verbandsbasis straft Präsidenten ab

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20. März 2014, 20:47 Uhr

Die Landwirtschaft bangt angesichts der Krimkrise um ihren Zugang zum russischen Markt. Wie Agrarminister Till Backhaus (SPD) gestern sagte, dürfen als einzige in Deutschland noch die Molkereien des Deutschen Milchkontors in Mecklenburg-Vorpommern Käse nach Russland liefern. Wie lange noch, sei ungewiss, sagte der Minister auf dem Landesbauerntag in Linstow (Landkreis Rostock). Schweine und Schweinefleisch nimmt Russland schon seit dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in der EU nicht mehr ab. Die politische Krise lässt die Hoffnungen der Exporteure auf eine Aufhebung der Einfuhrverbote sinken.

Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl appellierte an die Politik, die Märkte offen zu halten. Exporteure von Schweinefleisch und Geflügel hätten bereits im Vorjahr wenig Geld verdient, weil Schwierigkeiten auf den Exportmärkten die Preise drückten. Derzeit könnten Betriebe ihre für Russland bestimmten Saatkartoffeln nicht absetzen, weil Russland ein Einfuhrverbot verhängte und trotz vieler Verhandlungsversuche nicht aufhebt. Da die Kartoffeln dringend in den Boden müssten, werde es schwer, noch andere Abnehmer zu finden. Es dürfe nicht passieren, dass sich Russland komplett vom Markt abschotte und auch noch die Milcheinfuhr stoppe, warnte Tietböhl.

Kritik erntete der Bauernpräsident von der Basis für sein Vorpreschen in der Diskussion um die Größe von Tierhaltungsanlagen. Tietböhl hatte sich gegen den „Gigantismus“ in der Landwirtschaft, besonders in der Tierhaltung, ausgesprochen.

Der Landwirt Eike Schön-Petersen sagte, das Thema - die Massentierhaltung - sei im Verband jahrelang fast als Tabu behandelt worden. Aber „schlimme Zustände“ gebe es in großen wie in kleinen Betrieben. Das Motto des Bauernverbandes „Einheit der Vielfalt“ dürfe auf keinen Fall aufgegeben werden. Die Diskussion müsse daher ergebnisoffen an der Basis geführt werden. Auch die Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Uecker-Randow, Petra Döhler, kritisierte, die Äußerungen Tietböhls seien im Verband nicht abgesprochen worden. Es sei nicht klar, um welche Größenordnungen es gehe.

Tietböhl erklärte, er habe bewusst eine Diskussion anstoßen wollen, da das Thema Tierwohl in der Öffentlichkeit stark diskutiert werde.

Derzeit gebe es aufgrund von Klagen praktisch einen Baustopp für Tierhaltungsanlagen im Land. Das sei für ihn die Initialzündung für die Diskussion gewesen. Es sei notwendig, dass sich der Bauernverband mit dem Thema Tierwohl intensiver befasse. Der Landesvorstand solle einen Strategieplan erarbeiten und damit zu den Mitgliedern in den Kreisverbänden gehen.

Minister Backhaus forderte die Bundesregierung auf, die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Erarbeitung einheitlicher und tierartspezifischer Obergrenzen für Betriebe zu beschleunigen.

Tietböhl wies darauf hin, dass auch das Menschenwohl berücksichtigt werden müsse. Das erfordere Investitionen in moderne Technik, denn niemand wolle mehr mit Kiepe und Forke arbeiten. „Die Arbeits- und Lebensbedingungen müssen stimmen, die Einkommen müssen sicher sein“, verlangte der Präsident.


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