zur Navigation springen

Mini-Zins mit Folgen : Banken drehen an der Gebührenschraube

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mini-Zins mit Folgen: Postbank verlangt ab April für Papierüberweisungen Geld

Strafzinsen auf Guthaben von Großkunden oder Extra-Gebühren für Papier-Überweisungen: Angesichts der Mini-Zinsen im Euroraum werden Kreditinstitute immer kreativer, um mit ihren Kunden Geld zu verdienen. Jüngstes Beispiel ist die Postbank, die ab 1. April von Kunden, die Papierbelege einreichen, prinzipiell 99 Cent pro Überweisung verlangen will. „Wir konnten das über Jahre kostenlos anbieten, weil wir mit dem Geld auf den Konten arbeiten konnten. Wegen der niedrigen Zinsen geht das jetzt aber nicht mehr“, erklärt ein Firmensprecher.

Im Einzelfall will sich das Institut kulant zeigen. „Wenn sich eine 85-jährige Kundin beschwert, die 20 Kilometer vom nächsten Serviceterminal entfernt wohnt und kein Online-Banking betreiben kann, schauen wir, ob wir eine Kulanzentscheidung treffen können“, sagt Postbank-Sprecher Ralf Palm. Online-Überweisungen, Telefon-Banking und die an den Terminals in den Filialen abgewickelten Geschäfte bleiben kostenlos.

Auch andere Geldinstitute drehen an der Gebührenschraube. So erhöhten zum Jahreswechsel zum Beispiel die Sparkassen Gladbeck und Bottrop erstmals seit gut einem Jahrzehnt ihre Girokonto-Gebühren. „Die Kreditinstitute verdienen wegen der Niedrigzinsen derzeit mit Guthaben auf Girokonten kein Geld“, sagt Max Herbst von der Finanzberatung FMH. Die Folge: Die Geldhäuser erhöhten in kleinen Schritten die Gebühren an den verschiedensten Stellen.

Die FMH Finanzberatung beobachtet 80 Konten regelmäßig, 50 davon sind ohne Kontoführungsgebühr, davon aber nur zehn wirklich kostenfrei.„Bei allen anderen gibt es irgendwo Einschränkungen, zum Beispiel eine umsatzabhängige Kreditkartengebühr“, sagt Herbst.

Früher hätten Banken und Sparkassen mit günstigen oder gar kostenlosen Girokonten gelockt, um den Kunden in einem zweiten Schritt dann Darlehen oder Kapitalanlagen verkaufen zu können, urteilt Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Doch jetzt, wo diese Geschäftsfelder immer weniger Geld in die Kasse spülen, besinnen sich die Banken darauf, dass auch mit dem Girokonto selbst Geld zu verdienen ist.“ Rückendeckung erhalten die Geldhäuser dabei von höchster Stelle. Die scheidende Chefin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König, riet den Instituten kürzlich, für ihre Dienstleistungen angemessene Preise zu verlangen: „Über Girokonten, Depots oder Kreditkarten zum Nulltarif mögen sich die Kunden freuen, wirtschaftlicher Logik entsprechen sie nicht.“

Wenn die Postbank nun das Thema Papierüberweisungen ins Visier nimmt, ergibt das aus ihrer Sicht also durchaus Sinn. Der Trend geht ohnehin in Richtung Online-Banking. Nach jüngsten Zahlen der Bundesbank wurden 2013 von 6,3 Milliarden Überweisungen nur noch 816 Millionen schriftlich eingereicht.

Bislang waren kostengerechte Preise bei Girokonten wegen des harten Wettbewerbs hierzulande häufig nicht durchsetzbar. Doch könnte sich dies nun ändern, glaubt Verbraucherschützer Feck. Denkbar seien auch Gebühren etwa für Bareinzahlungen auf das eigene Konto oder Benachrichtigungsentgelte bei geplatzten Lastschriften. „Das ist im Einzelfall wenig, aber die Masse macht es“, meint der Verbraucherschützer. Der Kunde könne sich gegen eine schleichende Verteuerung seines Girokontos eigentlich nur auf eine Art wehren – „mit den Füßen abstimmen und sich eine andere Bank suchen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen