Energiewende : Baltic 2 speist Strom ins Netz

„Baltic 2“ wird  in Stralsund vom Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreibers 50 Hertz, Boris Schucht (l.), Ministerpräsident Erwin Sellering (2.v.l.), EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux (3.v.l.), dem Bürgermeister von Stralsund, Alexander Badrow (2.v.r.), und Silke Krebs Ministerin im Staatsministerium Baden-Württemberg (r), symbolisch ans Netz geschaltet.
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„Baltic 2“ wird in Stralsund vom Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreibers 50 Hertz, Boris Schucht (l.), Ministerpräsident Erwin Sellering (2.v.l.), EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux (3.v.l.), dem Bürgermeister von Stralsund, Alexander Badrow (2.v.r.), und Silke Krebs Ministerin im Staatsministerium Baden-Württemberg (r), symbolisch ans Netz geschaltet.

Größter Windpark in der deutschen Ostsee offiziell in Betrieb genommen: Windräder fast so hoch wie Cheops-Pyramide

svz.de von
21. September 2015, 19:00 Uhr

Nach zwei Jahren Bauzeit ist der größte Windpark in der deutschen Ostsee 32 Kilometer nördlich der Insel Rügen am Montag offiziell in Betrieb genommen worden. „Baltic 2“ sei ein weiterer Beweis, dass der Umbau der Energieversorgung in Richtung Dezentralisierung und erneuerbare Energien unumkehrbar sei, sagte EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux auf einer Festveranstaltung in Stralsund.

Der rund 1,4 Milliarden Euro teure Windpark mit einer Leistung von 288 Megawatt kann jährlich 1,2 Milliarden Kilowattstunden Strom für rechnerisch 340  000 Haushalte erzeugen – sechsmal so viel wie das EnBW-Vorgängerprojekt „Baltic 1“, das 2011 ans Netz gegangen war. Mit 138 Meter sind die Windräder nur knapp einen Meter niedriger als die Cheops-Pyramide. Die Gründungen wurden teilweise bis zu 44 Meter in den eiszeitlich geprägten Meeresboden getrieben.

Nach zwei fertiggestellten Projekten in der Ostsee plant EnBW nun drei weitere mit einer Gesamtleistung von 1600 Megawatt in der Nordsee. Das Unternehmen investiert eigenen Angaben zufolge zwischen 2012 und 2020 rund 3,5 Milliarden Euro in Windenergieprojekte auf See. Offshore liefere einen fast grundlastfähigen Strom. Zudem passe das industrielle Format eines Offshore-Windkraftparks zur DNA eines großen Energieunternehmens, begründete Mastiaux das starke Engagement in diesem Sektor.

Der EnBW-Chef appellierte an die Politik, mit energiepolitischen Rahmenbedingungen Planungssicherheit für Investoren und Betreiber von Offshore-Projekten zu gewährleisten. „Die Politik hat in den letzten zehn Jahren mutig auf diesen Sektor gesetzt. Der Mut zahlt sich aus. Offshore liefert.“ Es werde aber schwierig, wenn im Rahmen der EEG-Novelle überlegt werde, bereits genehmigte Projekte einem Ausschreibungsregime zu unterziehen, sagte Mastiaux. „Das ist nicht das richtige Signal.“

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) warb für ein weiteres Engagement der Branche in den Windkraft-Standort Ostsee. Die Ostsee habe hervorragende natürliche Bedingungen: genügend Wind, geringe Wassertiefen und kürzere Kabelverbindungen zum Land. Damit sei der Netzanschluss nur halb so teuer wie in der Nordsee, sagte Sellering.

Warnende Worte kamen aus Hamburg von der IG Metall. Nach der Fertigstellung von „Baltic 2“ drohe die Auftragskette wieder abzureißen, sagte IG Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken. Damit Unternehmen wie Nordic Yards eine Chance auf neue Aufträge hätten, werde dringend Klarheit über die künftigen Bedingungen für den Betrieb der Offshore-Anlagen gebraucht.

Nach EnBW will der spanische Energiekonzern Iber-drola von 2016 an mit dem 350-Megawatt-Projekt „Wikinger“ einen weiteren Offshore-Windpark vor Rügen errichten. Der Energiekonzern Eon plant, ebenfalls vor Rügen, einen 385-Megawatt-Windpark.

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