Züge fallen aus oder verspäten sich reihenweise : Bahnstreik vor Rekordbilanz

Nichts geht mehr: Bahn-Reisende wie hier im Hauptbahnhof von Frankfurt am Main wurden  von den Warnstreiks  kalt erwischt. dpa
Nichts geht mehr: Bahn-Reisende wie hier im Hauptbahnhof von Frankfurt am Main wurden von den Warnstreiks kalt erwischt. dpa

Frierende Fahrgäste, die am Gleis vergeblich auf Züge warten. Daran hatte bei der Bahn bis zur Ankündigung von Warnstreiks am Wochenende keiner gedacht. Zu Wochenbeginn traf es Pendler und Fernreisende hart:

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18. März 2013, 07:24 Uhr

Berlin | Frierende Fahrgäste, die am Gleis vergeblich auf Züge warten. Daran hatte bei der Bahn bis zur Ankündigung von Warnstreiks am Wochenende keiner gedacht. Zu Wochenbeginn traf es Pendler und Fernreisende hart: Züge fallen aus oder verspäten sich reihenweise. Diese Wirkung erzielte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mit relativ geringem Aufwand, indem ihre Mitglieder in Stellwerken, Werkstätten und Betriebszentralen die Arbeit niederlegten.

Zum Mittel des Streiks griff die EVG überraschend früh, direkt vor der vierten Verhandlungsrunde über höhere Einkommen für rund 130 000 Beschäftigte. Ein Auslöser war nach Darstellung der EVG ein Punkt im jüngsten Tarifangebot der Bahn: Demnach sollen das Reinigungspersonal und die Sicherheitsleute, die bei der Tochter DB Services angestellt sind, nur die Hälfte der Tariferhöhung als Einkommensplus bekommen. Die andere Hälfte solle über eine höhere Eingruppierung im Lohngefüge die Empfänger erreichen. Da hat die Gewerkschaft Zweifel: "Es ist nicht klar, ob das im Geldbeutel ankommt", sagt EVG-Sprecher Kaufhold. Die Kollegen, die ohnehin zu den Geringverdienern innerhalb der Bahn gehören, befürchteten, zu Eisenbahnern zweiter Klasse zu werden.

Unabhängig von diesem Streit verweist die EVG auf die sprudelnden Gewinne der Bahn. Der Staatskonzern wird übermorgen seine Bilanz 2012 vorlegen. Vorab sickerte durch, dass aufs Neue ein Rekordgewinn von rund 1,5 Milliarden Euro zu erwarten ist. "Dazu haben die Beschäftigten ihren Beitrag geleistet", so die Gewerkschaft. Ihnen stehe ein angemessener Anteil zu. Diesen taxiert die EVG auf 6,5 Prozent Einkommenserhöhung für zwölf Monate. Die Bahn hat bisher 2,4 Prozent im ersten Jahr, weitere 2,0 Prozent im zweiten Jahr sowie eine Einmalzahlung von 400 Euro geboten. "Wir hoffen, dass unser Signal beim Bahnvorstand angekommen ist", sagte die EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. Im Hinterkopf dürfte sie dabei das Tarifergebnis haben, das die deutlich kleinere Konkurrenz, die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), im Vorjahr erreicht hatte: rund 20 000 Lokführer, erhielten im Juli 3,8 Prozent mehr Geld. In November kommen weitere 2,4 Prozent hinzu. Daran dürften auch die EVG-Mitglieder ihren Tarifkompromiss messen.

Gefordert wird auch, dass die Einkommen von Beschäftigten der Bahn-Konkurrenten maximal 6,25 Prozent unter dem Niveau von DB Regio liegen dürfen. Indirekt müssen also auch die sechs Unternehmen Abellio, Benex, Hessische Landesbahn, Keolis, Netinera und Veolia Verkehr einem Tarifergebnis zwischen Deutscher Bahn und EVG zustimmen. Ein Stolperstein, der den Verhandlern noch in den Weg rollen könnte.

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