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Dieselmotorenwerk Rostock : Ausverkauf im Motorenwerk

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nächste Woche startet ein viertägiger Online-Auktionsmarathon mit 1600 Positionen / Kunden kommen aus aller Welt

svz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 12:58 Uhr

„Das tut richtig weh“, sagt Dietmar Schütt. Mehr als 47 Jahre hat der 62-Jährige für das Dieselmotorenwerk Rostock (DMR) und dessen Nachfolgebetrieb, die DMR Produktionsgesellschaft gearbeitet – bis zu deren Insolvenzantrag im Mai vergangenen Jahres. Jetzt bleibt dem gelernten Schaber nur noch, in den Hallen aufzuräumen. Was an Maschinen und Werkzeug übrig ist, kommt in der nächsten Woche endgültig unter den Hammer.

In dieser Woche können potenzielle Käufer die Stücke begutachten. Gestern beispielsweise waren Kunden aus Spanien da. „Wir haben rund 1600 Lot-Nummern im Angebot, die wir teilweise als Pakete geschnürt haben“, sagt Martin Kolodziejczyk, Projektmanager von Core Business Industries. Die Firma aus Amsterdam hat die DMR-Werkzeuge und -Maschinen gemeinsam mit Hilco Industrial aus London im August vergangenen Jahres erworben. Nach einer ersten Versteigerung im Dezember starten sie nächten Dienstag einen weiteren viertägigen Online-Auktionsmarathon.

„Wir haben von den größten Maschinen bis zum kleinsten Bohrer und Plättchen alles“, sagt Kolodziejczyk. Dabei seien zwei Drittel der großen Anlagen bereits verkauft. „Der globale Markt für gebrauchte Maschinen ist riesig“, so der Projektmanager. Im Vergleich zu einer Neuanschaffung könnten sie 40 bis 60 Prozent sparen, so Kolodziejczyk: „Für Werkzeughändler ist das hier ein Paradies.“ Insbesondere beim DMR sei die Qualität herausragend – das Unternehmen hatte eine top-ausgestattete Reparatur-Werkstatt unterhalten. „Das ist hier wirklich eines der teuren Projekte mit einer Menge Ausstattung – so moderne Maschinen gibt es nicht oft“, sagt Kolodziejczyk. Ihm blute selbst das Herz, wenn Firmen wie das Rostocker Unternehmen Pleite gingen.

Das bestätigt auch sein Kollege Franz Kircher von Hilco Industrial: „Man kommt oft in einen Betrieb, der gestern noch produziert hat.“ Ihm sei es im Sinne der Mitarbeiter am liebsten, wenn die Arbeit zumindest mit einem Teil der Belegschaft fortgeführt werden könne. In Rostock habe Hilco selbst den Plan entworfen, mit 30 bis 50 Beschäftigten weiterzumachen. „Leider ist das schiefgegangen“, sagt Kolodziejczyk. Wenigstens würden die guten Maschinen jetzt nicht verschrottet, sondern weiter genutzt.

Dietmar Schütt hätte die Maschinen natürlich am liebsten weiter beim DMR in Arbeit gesehen. „Im Stahlbau hatten wir eigentlich genügend Aufträge“, sagt er. Die Pleite sei vermeidbar gewesen.

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