Lokale Unternehmen : Auf den Hund gekommen

Manuela Verhage steht  in ihrer Backstube. Die Kekse sind für Hunde gedacht.  Fotos: Stefan Sauer
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Manuela Verhage steht in ihrer Backstube. Die Kekse sind für Hunde gedacht. Fotos: Stefan Sauer

Wie aus der Hunde-Bäckerei für den privaten Bedarf das Unternehmen „Keksdieb“ entstand

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27. Juli 2015, 21:00 Uhr

Aus dem Backofen dringt Apfelduft, auch auf dem Backtisch sieht es aus wie in der Weihnachtsbäckerei. Manuela Verhage drückt Ausstechformen in den Teig und belegt damit den nächsten Schwung Kuchenbleche. Die Backstube im Gutshaus von Langendorf bei Stralsund ist der Mittelpunkt der kleinen Firma „Keksdieb“. Seit Frühjahr produzieren Manuela und Michael Verhage hier fleischlose Hunde-Leckerli – ohne Konservierungs- und Zusatzstoffe, wie Firmengründerin Manuela Verhage (46) sagt. „Der Verbraucher ist immer aufgeklärter. Der Trend geht dazu, nicht nur sich, sondern auch seinen Hund immer gesünder zu ernähren“, erklärt sie das Unternehmenskonzept.

Das Keksdieb-Duo stammt eigentlich aus Wermelskirchen in Nordrhein-Westfalen. Der frühere Unternehmensberater aus der Automobilbranche, Michael Verhage, suchte nach einer beruflichen Veränderung – und Hund Chicco legte 2009 den Grundstein dazu. Weil der Bodeguero nur Fleisch und kein Gemüse aß, versuchte Manuela Verhage, ihrem Schützling mit selbstgebackenen Hundekeksen Karotten, Spinat und Co. schmackhaft zu machen. Das gelang. Nicht nur bei Chicco, sondern auch bei Hunden im Bekanntenkreis. Die Hunde-Leckerli von Manuela Verhage als Ergänzung zu Fleisch fanden reißenden Absatz.

Rund 6,8 Millionen Hunde werden in Deutschland schätzungsweise als Heimtiere gehalten. Die Zahlen sind seit Jahren nahezu konstant, sagt Deltev Nolte, Sprecher des Industrieverbandes Heimtierbedarf.  Nach Angaben des Verbandes ist der Umsatz an Hundefutter aber steigend. Im vergangenen Jahr setzte die Hundefuttermittelbranche mehr als 1,26 Milliarden Euro im stationären Handel um – ein Plus von 5,1 Prozent.  Besonders stark (5,8 Prozent) wuchs der Markt an Snacks - wozu die Hundeleckerlis gehören. „Offenbar steigt für den Menschen die Beziehungsqualität zum Hund. Besitzer wollen dem Tier zusätzlich Gutes tun“, begründet Nolte den hohen Anstieg der Snacks. „Der Mensch transportiert eigene Ernährungstrends auf den Hund.“ Als das eigene Haus in Wermelskirchen zu klein und der Umsatz größer wurde, suchten die Verhages nach der passenden Immobilie und fanden sie mit dem Gutshaus Langendorf in MV. „Wir haben 2009 auf der Seebrücke Sellin geheiratet und beschlossen, unseren Lebensabend an der Ostseeküste zu verbringen.“ Produktion und Vertrieb der Kekse nehmen seit Frühjahr 2015 das Erdgeschoss des Gutshauses ein – im Obergeschoss lebt das Paar.

Die Keksdiebe sind keine Verfechter der vegetarischen Hundeernährung. „Der Hund braucht Fleisch“, ist Michael Verhage überzeugt. „Als Ergänzung bieten die Gemüse-Snacks aber wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente.“ Bis zu 100 Kilogramm von 16 verschiedenen vegetarischen Hunde-Leckerli produziert das Langendorfer Unternehmen inzwischen pro Tag. Auf Weizen und undefinierte Pflanzenfette oder Lock- und Füllstoffe wird ganz verzichtet, dafür bilden Dinkel und Raps- und Sonnenblumenöl die Grundlage für den Teig. Für die süßen Hundeschnauzen gibt es Apfelmus-Herzen oder Buttermilch-Kokos-Tropfen, für die herzhaften Geschmäcker Hüttenkäse-Parmesan-Ecken oder Petersilien-Konfekt.

Noch erwirtschaftet das Unternehmen keine großen Gewinne, wie Verhage sagt. „Aber wir können davon leben.“ Die Verhages wollen die Marke „Keksdieb“ in den nächsten Jahren mit eigenen und dem Vertrieb weiterer Produkte ausbauen. Sie soll für eine natürliche und gesunde Hundeernährung stehen.

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