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Energiewerke Nord : Atom-U-Boote entsorgt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Spezialisten aus Lubmin halfen, 150 schwimmende Kernkraftwerke unschädlich zu machen

Mithilfe deutscher Spezialisten ist die Gefahr einer Umweltverseuchung durch ausgemusterte Atom-U-Boote der früheren sowjetischen Nordmeerflotte reduziert worden. Nach elf Jahren geht im Dezember die Arbeit von Atomentsorgungsexperten der bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN) Lubmin im russischen Murmansk zu Ende.

Unter ihrer Regie entstand am Polarkreis an der Saida-Bucht ein Zwischenlager für 150 ausrangierte Atom-U-Boote und 25 atomare Serviceschiffe sowie ein Entsorgungszentrum für radioaktive Abfälle nach westlichem Standard. Damit seien die Entsorgungsprobleme dort zwar nicht komplett gelöst, sagte der EWN-Projektleiter für das Murmansk-Projekt, Detlef Mietann. Es seien aber alle Voraussetzungen geschaffen, dass Russland die weit fortgeschrittene Entsorgung der U-Boote und radioaktiven Abfälle erfolgreich zu Ende führen könne.

Die Saida-Bucht am arktischen Ozean, rund 60 Kilometer nördlich von Murmansk, wurde nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zum Massenfriedhof für ausgemusterte Kriegsschiffe und U-Boote der Nordmeerflotte – der einst größten atomar betriebenen U-Boot-Flotte der Welt.

Auf dem G8-Gipfel 2002 in Kanada wurde die „Globale Partnerschaft gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und -materialien“ beschlossen. 20 Milliarden US-Dollar flossen nach Russland, davon 1,5 Milliarden aus Deutschland. Deutscher Schwerpunkt: die Vernichtung von Chemiewaffen und die Verschrottung der U-Boote. Rund 600 Millionen Euro steckte Deutschland in das Projekt bei Murmansk.

Der 61-jährige EWN-Projektleiter Detlef Mietann nennt diese Hilfe beispiellos. „Unter den Bedingungen der heutigen politischen Großwetterlage würde ein so weitreichendes Atomentsorgungsprogramm sicher nicht mehr umsetzbar sein“, bedauert er. Dabei sei dringend Unterstützung erforderlich. In der Arktis liegen noch immer russische Atom-U-Boote. Umweltorganisationen wie Greenpeace warnen vor einer radioaktiven Verseuchung. Vor elf Jahren bekamen die Deutschen noch Zugang zu den militärischen Sperrgebieten am Nordmeer und erstellten ein Entsorgungskonzept. „Die U-Boote mussten damals schnell aus dem Wasser, um die Risiken für die Umwelt zu senken“, sagt Mietann. Unter Leitung der Lubminer Fachleute entstand zunächst ein Zwischenlager für die Reaktorteile der U-Boote. Die ersten 20 Reaktorsektionen wurden mit deutscher Hilfe auf der Murmansker Nerpa-Werft aus den U-Booten getrennt und konserviert.

Dann wurde das Know-how Zug um Zug in russische Hände gegeben. Heute lagern 71 konservierte Reaktorsegmente der Nordmeer-Armada auf dem 5,5 Hektar großen Areal. Bis zu 70 Jahre sollen sie auf dem bewachten Freilagerplatz deponiert bleiben. „Die Strahlung im Innern der Sektionen ist so hoch, dass sie zunächst abklingen müssen, um später zerlegt zu werden“, sagt Mietann.

Ab 2007 entstand direkt neben dem Zwischenlager ein rund 170 mal 160 Meter großes atomares Entsorgungszentrum. „Die kontaminierten Filter, Pumpen und Rohrteile der U-Boote lagerten unter haarsträubenden Bedingungen in teilweise Leck geschlagenen Containern auf Militärbasen – ohne Perspektive, was damit passiert“, erinnert sich Mietann. Technisches Vorbild war das Zwischenlager Nord Lubmin, in dem die Überreste der DDR-AKWs deponiert sind. In dem russischen Pendant können ab 2015 die Abfälle erstmals nach westlichen Sicherheitsstandards entsorgt werden.

Das Entsorgungszentrum umfasst fünf Lagerhallen für bis zu 100 000 Kubikmeter Abfall.

In kleinerer Version entsteht ein ähnliches Projekt für 80 Atom-U-Boote in Fernost, in der Nähe von Wladiwostok. In diesem Projekt liefern die Deutschen Transportausrüstungen für die U-Boot-Entsorgung.

 

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