Adventsshopping : Ansturm zum Sonntagseinkauf

Millionenumsatz zum Fest: Händler in den größeren Städten in MV öffnen am Sonntag ihre Geschäfte.
Millionenumsatz zum Fest: Händler in den größeren Städten in MV öffnen am Sonntag ihre Geschäfte.

Viele Geschäfte in MV öffnen am 1. Advent / Nach Gerichtsurteil will Land Regelungen zur Sonn- und Feiertagsarbeit bis 2015 anpassen

svz.de von
27. November 2014, 20:30 Uhr

Heraus zum Geschenkekauf: Dreieinhalb Wochen vor Weihnachten richten sich die Händler in MV an diesem Wochenende auf den ersten Kundenansturm im Fest-Geschäft ein. Schwerin, Rostock, Ludwigslust, Hagenow, Wismar: In den größeren Städten öffnen die Händler am Sonntag zum ersten Adventsshopping, ergab eine Umfrage unserer Zeitung. Viele Kunden nutzten einen Besuch auf den Weihnachtsmärkten für einen Einkaufsbummel, meinte Dierk Böckenholt, Chef des Einzelhandelsverbandes Nord, gestern in Kiel. Die Geschäfte werden den Angaben zufolge zwischen 13 und 18 Uhr öffnen. In Wismar nutze mehr als jeder zweite Händler den verkaufsoffenen Sonntag, sagte eine Sprecherin des Hansekontors. Auch in Rostock mache eine Mehrheit der Händler mit, erklärte Kay-Uwe Teetz vom Einzelhandelsverband. In Hagenow nutzen die Händler den Adventsmarkt in der Stadt, um zwischen 13 und 18 Uhr zum Einkauf einzuladen. Fest-Handel auch an den anderen Adventswochenenden: In Güstrow laden die Geschäftsinhaber am 13. und 20. Dezember zum langen Samstag bis 18 Uhr. In Schwerin lassen die Händler am 6. Dezember und am 20. Dezember die Geschäfte bis spät in den Abend geöffnet.

Gute Beschäftigungszahlen, stabile Löhne: Die Branche erwartet gute Umsätze. Das Weihnachtsgeschäft sei die Hauptumsatzzeit für die Händler, sagte Böckenholt. Bis zu einem Fünftel des Jahresgeschäfts werde vor dem Fest gemacht. Umfragen zufolge wollen die Kunden in diesem Jahr mehr Geld für Geschenke ausgeben als 2013. Die Branche rechne im Fest-Geschäft mit einem 1,4 Prozent höheren Umsatz als im Vorjahr, übers Jahr mit einem Prozent mehr.

Arbeitsstress an bis zu vier Sonntagen im Handel, Entlastungen von der Sonntagsarbeit in anderen Branchen: Nach einem entsprechenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes Leipzig will MV wie andere Bundesländer auch bis 2015 die Regelungen zur Sonn- und Feiertagsarbeit anpassen, kündigte das Sozialministerium gestern an. Die seit 1998 geltende Regelung, die in MV u. a. in Callcentern, bei Eis- und Getränkeherstellern und in Fotokopiergeschäften die sonst nicht zulässige Sonntagsarbeit zulässt, solle überarbeitet werden, sagte Ministeriumssprecher Christian Möller. Was im einzelnen geändert werden solle, sei noch nicht absehbar. Zunächst müsse die Urteilsbegründung abgewartet werden. Die Neuregelung könnte vor allem die Call-Center im Land treffen. Das Leipziger Gericht hatte zunächst nur für Hessen den Betrieb von Videotheken, aber auch Call-Centern an den Ruhetagen untersagt.

Zustimmung bei Kirchen, Gewerkschaften und linker Opposition: Das Gericht habe der Sonntagsarbeit enge Grenzen gesetzt, begrüßte DGB-Vize Ingo Schlüter die Entscheidung. Zudem hätten die Richter Gewerkschaften zugestanden, Normenkontrollanträge über Rechtsverordnungen von Landesregierungen zu stellen, die sich gegen den Schutz der Sonn- und Feiertagsruhe wendeten. Kritik hingegen in der Wirtschaft: Eine lebensfremde Entscheidung, meinte Jens Matschenz von der Vereinigung der Unternehmensverbände MV gestern. In der heutigen Servicegesellschaft bestehe immer mehr die Erwartung an Dienstleistungen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Von weiteren Einschränkungen der bislang bereits durch hohe Hürden geschützten Sonntagsarbeit wäre MV in besonderer Weise betroffen. In den Call-Centern im Land sind derzeit etwa 17 000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Branche rechnet indes bei einem Sonntagsarbeitsverbot mit Verlagerungen ins Ausland. Sonn- und Feiertagsarbeit seien am Dienstleistungsstandort MV notwendig, meinte Matschenz. Eventuelle Veränderungen müssten verantwortungsvoll geprüft werden, forderte er vom Sozialministerium.

Einzelhändler in MV müssen vorerst nicht mit weiteren Einschränkungen rechnen. Die Ladenschlussregelungen ließen vier Sonntagsöffnungen im Jahr zu, hieß es beim Einzelhandelsverband. Darüber hinaus erlaube die bis Ende 2015 geltende Bäderregelung für Tourismusorte in MV die Sonntagsöffnung, so das Wirtschaftsministerium. Die Bäderregelung schränke den Verkauf auf touristische Orte und zeitlich ein, erklärte Böckenholt. Er rechne daher nicht damit, dass das Urteil Einfluss auf die Bäderregelung haben werde.

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