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Serie “Finanz-Wissen“ : Anleihen erfordern gute Beratung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für diese Alternative zu Spareinlagen benötigt man eine eigene Zinsmeinung:

svz.de von
erstellt am 25.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Wem die von den Banken angebotenen Zinsen auf Spareinlagen nicht reichen, kann sein Geld direkt als Kredit an Staaten, Unternehmen oder auch Banken vergeben. Das geschieht über Anleihen, die der Anleger am Anleihemarkt kauft. Je nach Bonität und Laufzeit der Anleihe können die Renditen unterschiedlich hoch sein. Der Anleger trägt dafür das Risiko, dass der Schuldner seinen Zins- und Tilgungsleistungen nicht vollumfänglich nachkommt.

Bei Anleihen ist nicht der gezahlte Zins wichtig, sondern die Rendite. Sie ist der einzige Vergleichsmaßstab bei Anleihen und setzt sich aus Nominalzins plus/minus Kursgewinn/-verlust zusammen. Hinzu kommen noch die Kosten und Gebühren der Bank, die die Rendite schmälern.

Anleihen werden an den Börsen gehandelt und unterliegen somit Kursschwankungen. Steigt der allgemeine Marktzins oder verschlechtert sich die Bonität des Emittenten, fällt der Anleihekurs während der Laufzeit und umgekehrt. Je länger die Restlaufzeit der Anleihe ist, desto stärker wirken sich diese Änderungen auf den Kurs der Anleihe aus. Erst zur Fälligkeit hat der Anleger einen Rückzahlungsanspruch von 100 Prozent des Anleihenennwertes.

Beispiel: Ein Anleger investiert heute 10 000 Euro in eine Anleihe (Zinskupon 2 Prozent, Laufzeit fünf Jahre, Kaufkurs 100 Prozent). Der Anleger erhält also fünf Jahre lang 2 Prozent Zinsen auf den Nominalwert (10 000 Euro) und danach den Nominalwert zu 100 Prozent zurück. Wenn der Marktzins für fünfjährige Anleihen sich morgen von 2 auf 3 Prozent erhöht, würde kein Anleger mehr diese Anleihe kaufen, da er ja nur 2 statt 3 Prozent Rendite erhält. Der Markt gleicht diese Verschiebung aus. Da Anleger nun 1 Prozent pro Jahr (also 5 Prozent) mehr Zinsen erhalten, fällt der Kurs der Anleihe um ca. diesen Wert auf etwa 95 Prozent. Der Anleger von morgen investiert also nur noch 9500 Euro für 10 000 Euro Nennwert, erhält fünf Jahre lang 2 Prozent Zinsen und zusätzlich 5 Prozent Kursgewinne. Nach fünf Jahren hat er 15 Prozent Ertrag – also eine jährliche Rendite von 3 Prozent pro Jahr erzielt.

Tipp: Die letzten zehn Jahre waren geprägt von fallenden Zinsen. Langlaufende Anleihen haben dadurch hohe Kurszuwächse erhalten. Wer also zukünftig von Zinssteigerungen ausgeht, sollte eher Anleihen mit kurzen Laufzeiten kaufen, um die Kursrisiken während der Laufzeit gering zu halten.

Alternative Rentenfonds (ETF): Eine Alternative zu Anleihen können Anleihefonds (Rentenfonds) sein. Sie unterscheiden sich nach Emittent (Staaten, Unternehmen, Regionen), nach Laufzeiten und nach Währungen. Der Vorteil gegenüber Einzelanleihen ist die große Streuung.

Der größte Nachteil jedoch sind die hohen Kosten. So kommen neben dem Ausgabeaufschlag noch Verwaltungskosten hinzu. Hier empfiehlt es sich, auf kostengünstige ETF (Exchange-traded-fund) zu setzen, die einen bestimmten Rentenmarktindex abbilden. Da sie jedoch keine Provisionen abwerfen, werden sie von den meisten Banken nicht aktiv angeboten. Fragen lohnt sich also.

Achtung: Derzeit ist kaum ein Marktsegment so von Spekulationen geprägt wie der Anleihemarkt. Das viele billige Geld, Spekulationen gegen Volkswirtschaften und Währungen sowie wirtschaftspolitische Interessen führen schon seit Jahren zu massiven Verwerfungen an den Anleihemärkten. Deutschland ist bisher der größte Profiteur dieser Entwicklung, muss er doch aktuell für seine zehnjährigen Anleihen nur ca. 1 Prozent pro Jahr zahlen. Ob das bei den akuten und latenten Schulden Deutschlands eine faire Verzinsung ist, mag die Zukunft zeigen.

Die Anlage in Anleihen ist schwieriger denn je. Eine eigene Zinsmeinung und eine gute Beratung, gepaart mit geringen Kosten, sind notwendig, um heute noch angemessene Renditen erzielen zu können.

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