Landwirtschaft : Angst vor Seuchen in Ställen in MV

Der Pestzug in den 90er Jahren raffte in MV hunderttausende Schweine dahin.
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Der Pestzug in den 90er Jahren raffte in MV hunderttausende Schweine dahin.

Grippefälle in Niedersachsen und Pestausbrüche in Osteuropa: Backhaus warnt vor erneuten Ausbruch von Seuchen in MV.

svz.de von
03. Juli 2015, 08:00 Uhr

Seuchengefahr im Stall: Grippefälle in Niedersachsen und Pestausbrüche in Osteuropa bedrohen Mecklenburg-Vorpommerns Geflügel- und Schweinebestände. „Die Gefahr ist vorhanden“, warnte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) vor einem erneuten Ausbruch der Seuchen. Erst Mitte Juni war in Niedersachsen in einem Legehennenbestand der Grippeerreger H5N7 entdeckt worden – 36 000 Tiere wurden getötet. In MV war im vergangenen Jahr in mehreren Ställen der hochansteckende Grippeerreger H5N8 aufgetaucht. Erst gegen Jahresende konnte die Stallpflicht für Hühner, Puten und Co. aufgehoben werden.

Im vergangenen Jahr seien in MV unter 1335 Wildvogelproben bei 16 Tieren niedrigpathogene Grippeviren u. a. bei Blässgänsen und Stockenten und in einem Fall bei einer Krickente auf der Insel Ummanz das hochpathogene H5N8-Virus entdeckt worden, teilte das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei mit. Jetzt werde die Situation durch massive Geflügelgrippefälle in den USA verschärft. Das sei bis nach Mecklenburg-Vorpommern spürbar, meinte Backhaus: „Tierseuchen machen vor Ländergrenzen keinen Halt.“ Im Bundesstat Iowa sei inzwischen der Notstand ausgerufen worden – 223 Geflügelbestände seien betroffen, 48 Millionen Tiere seien getötet worden. Die Ausfälle in den USA führten zu einer stärkeren Nachfrage nach Eiern und Geflügelfleisch aus Europa und zu steigenden Preisen. Die Verbraucher müssten sich auf höhere Preise einstellen, sagte Backhaus.

Indes droht auch die Schweinepest zurückzukehren: Nach mehr als 280 Ausbrüchen der Afrikanischen Schweinepest in Hausschweine- und Wildbeständen in Polen in diesem Jahr und hunderten Fällen in Osteuropa sei die Gefahr einer Einschleppung nach Mecklenburg-Vorpommern „vor allem durch die Möglichkeit eines Viruseintrags über Reiseproviant weiter gestiegen“, warnte Backhaus. Wiederholt sei in Wurstwaren aus Weißrussland an der Außengrenze von Lettland und Litauen infektionsfähiges ASP-Virus nachgewiesen worden. Daher sollten aus Osteuropa nur einwandfreie Lebensmittel mitgebracht werden, forderte Backhaus.

Ein Übergreifen der Schweinepest auf deutsche Bestände hätte verheerende Folgen: Schweinehalter rechnen mit Schäden in Milliarden-Höhe. Der letzte große Pestzug hatte in den 90er-Jahren in Deutschland zu großen Schäden geführt. In mehr als 60 Fällen war damals allein in MV die klassische Schweinepest ausgebrochen. Mehr als 230 000 Tiere mussten zwischen 1992 und 1998 allein in MV gekeult werden. Die Bauern hatten unter jahrelangen Handelsrestriktionen zu leiden.

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