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Plau am See : Abgeschottet von der digitalen Welt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wolfgang Droste lebt zwischen zwei Sendemasten in Plau am See – seit Monaten kommt er darum nicht ins Festnetz und Internet

svz.de von
erstellt am 25.Jan.2014 | 08:00 Uhr

Wolfgang Droste lebt inmitten einer grünen Oase. Jeden Tag geht er mit seinem Hund mindestens zwei Stunden in der Natur spazieren. Unweit von seinem Haus in Plötzenhöhe beginnt der Plauer Stadtwald. Auf der anderen Seite liegt der See. Doch einen Haken hat sein idyllischer Wohnort: Zurzeit hat er keinen Festnetz- und Internet-Empfang. „Wir sitzen hier auf dem Dorf und sind von der Außenwelt abgeschottet“, klagt der 54-Jährige.

Das sei jedoch nicht immer so gewesen. „Im Jahr 2000 habe ich mir einen Zugang geholt. In den Folgejahren wurde die Verbindung aber immer schlechter, bis ich im vergangenen Juni gar nicht mehr online kam“, sagt Droste. Er war ratlos und bezahlte trotzdem Monat für Monat die 19,90 Euro. Irgendwann hatte er aber genug und wollte seinen Zwei-Jahres-Vertrag bei Vodafone kündigen. Der Anbieter sei zunächst nicht bereit gewesen, den Vertrag aufzuheben. Sie rieten ihm stattdessen, den Router bei Verbindungsproblemen aus- und wieder einzuschalten und Geduld zu haben. Später bekam er einen neuen Router zugeschickt, der die Probleme beheben sollte. Doch nichts half. „Erst als ich drohte, mich an die Öffentlichkeit zu wenden, schickte man mir einen Techniker ins Haus“, erzählt Droste.

Dieser habe im August 2013 festgestellt, dass in seinem Haus entweder nur ein sehr schwaches oder gar kein Signal ankommt. Bereits beim Abschluss des Vertrags mit Vodafone hätte dem Gutachter zufolge auffallen müssen, dass ihm kein Breitband-Internet angeboten werden kann. Und auch die DSL-Verfügbarkeitsanfrage fiel negativ aus.

Droste wurde erklärt, dass ein neu aufgestellter Mast auf der anderen Seite des Sees in der Nähe von Zislow Schuld an der schlechten Verbindung sei. „Ich wohne jetzt anscheinend genau zwischen zwei Sende-Masten, die sich ins Gehege kommen“, sagt Droste. „Eigentlich hat ein zusätzlicher Sendemast nur positive Auswirkungen. Allerdings kann es sein, dass es in dem Grenzgebiet zu Interferenzen kommt und somit den Internet-Zugang behindert“, erklärt Vodafone-Pressesprecher Dirk Ellenbeck. In einem solchen Fall könne eine Außenantenne helfen. Doch nach einer Prüfung des Unternehmens wurde festgestellt, dass man bei Droste selbst damit lediglich auf eine Geschwindigkeit von 1 Megabit pro Sekunde komme.

Eine letzte Hoffnung blieb Droste: die neue Funktechnologie LTE, was für Long-Term-Evolution steht. Der Mobilfunkstandard wird seit einigen Jahren intensiv ausgebaut. Die größten Netzlücken in den ländlichen Regionen sollen damit geschlossen werden. In Barkow bei Plau am See sei 2011 ein entsprechender Mast errichtet worden. „Im vergangenen Jahr haben wir in Mecklenburg-Vorpommern einen dreistelligen Millionenbetrag in den Ausbau der Infrastruktur gesteckt“, sagt der Sprecher der Deutschen Telekom, Georg von Wagner. In diesem Jahr werde noch einmal die gleiche Summe investiert.

Für Droste ist ein solcher LTE-Zugang, der etwas doppelt so teuer ist wie ein DSL-Zugang, nicht bezahlbar. Nach einem Arbeitsunfall ist der 54-Jährige Frührentner und muss auf seine Ausgaben genau achten. Außerdem sagt Vodafone-Sprecher Volker Petendorf, würde ein LTE-Vertrag aus seiner Sicht auch keinen Sinn machen. „Diese Situation wird sich auch in absehbarer Zeit nicht verbessern“, sagt er weiter.


3,5 Kilometer bis ins Word Wide Web


„Ich fühle mich von der Außenwelt abgeschlossen und sage zu meiner Frau schon immer, dass wir langsam verblöden“, erzählt der 54-Jährige. Das Internet gehöre heute schließlich zum Alltag. Gern würde der Frührentner zu Hause im Internet recherchieren, welche Fossilien er gefunden hat und zur Bestimmung ganz einfach und schnell ein Foto an einen Experten schicken – doch das geht nicht. Er schämt sich regelrecht, wenn ihn mal wieder jemand nach seiner E-Mail-Adresse fragt und er sagen muss, dass er keine hat. Ein Freund aus den Niederlanden fragte ihn einmal sogar bestürzt, in was für ein Welt er denn leben würde. Auch dass Droste momentan keinen Festnetz-Telefonanschluss an, macht ihm zu schaffen. Er würde gern viel häufiger mit Freunden und Familienangehörigen telefonieren, doch über sein Handy wäre das zu teuer.

Wenn er und seine Frau doch mal etwas im Internet recherchieren wollen, besuchen sie ihren Sohn, der dreieinhalb Kilometer von ihnen entfernt lebt. „Doch wir wollen ihm ja auch nicht täglich zur Last fallen“, sagt Droste. Er hofft, dass ein LTE-Zugang in Zukunft günstiger wird und er dann irgendwie wieder online gehen kann.

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