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P+S-Werft : 150 Schiffbauer räumen die Spinde

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nochmals Aderlass auf der insolventen P+S-Werft in Stralsund / Nur wenige dürfen auf eine Weiterbeschäftigung hoffen – von einst 1250

svz.de von
erstellt am 29.Apr.2014 | 19:55 Uhr

Schiffbauer Jan Kuchenbecker gehört vermutlich zu den wenigen, die die Pleite der P+S-Werften ohne Arbeitslosigkeit überstehen werden. Heute müssen weitere 150 ehemalige Mitarbeiter der Stralsunder Volkswerft ihre Spinde räumen. Nur 50 – darunter auch Jan Kuchenbecker – werden bis Juni weiterbeschäftigt.

50 von einst 1250! Doch Kuchenbecker will nicht in die Vergangenheit schauen. „Wir hoffen, dass wir so viele Kollegen wie möglich in den nächsten Monaten zurückholen können“, sagt der 40-Jährige. Er sei zuversichtlich, dass unter dem künftigen russischen Eigner Witali Jussufow auch wieder Schiffe gebaut werden. Kuchenbecker und seine Kollegen bereiten derzeit den letzten Schiffsneubau für die Abfahrt vor. Voraussichtlich am Freitag wird die dänische Reederei DFDS das Schiff nach Dänemark holen.

Doch statt Wehmut herrscht Hoffnung unter denen, die es wie Kuchenbecker geschafft haben: Der Übergang der insolventen P+S-Werft in Stralsund an Nordic Yards rückt näher. Am Freitag seien die abschließenden Verhandlungen mit Nordic geplant, damit die Werft zum 1. Juni an den neuen Eigentümer übergehen könne, sagte Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann gestern. Nordic stellt eigenen Angaben zufolge bereits zum 1. Mai 48 Stralsunder Konstrukteure und Ingenieure ein. Die 23 Auszubildenden sowie ihre beiden Ausbilder werden zum 1. Juni von Nordic Yards übernommen. „Die Ingenieure werden sofort in Projekte, also in die Projektierung bestehender Auftragsanfragen, integriert“, sagte eine Nordic-Sprecherin. Zudem sollen sie die Aufnahme der Produktion am Standort vorbereiten. „Wir sind zuversichtlich, ab Herbst 2014 mit einem Offshore-Wind-Projekt in Stralsund zu starten.“ Nordic, die auch den Reparaturbereich der Werft übernehmen will, hat versprochen, bis Ende des Jahres mindestens 250 Beschäftigte auf der Stralsunder Werft zu beschäftigen. Insolvenzverwalter Brinkmann ist zuversichtlich, dass vereinbarungsgemäß bis Ende 2017 die Zahl der Mitarbeiter auf rund 500 erhöht wird. „Nordic hat bislang alle seine Verpflichtungen aus Verträgen bei früheren Werftkäufen erfüllt“, sagt der Insolvenzverwalter.

Unterdessen gehen die juristischen Auseinandersetzungen um die P+S-Werften weiter. Brinkmann hat Zivilklage gegen die Hegemann-Gruppe eingereicht. Der Grund seien Forderungen an den früheren Gesellschafter in zweistelliger Millionenhöhe.


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