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Demografie : Wirtschaft : Auf ältere Mitarbeiter einstellen

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Ältere Mitarbeiter haben weniger Kraft, kommen nicht mehr an jedes Regal, brauchen mehr Licht. Wenn es um erlerntes Wissen und Erfahrung geht, könnten sie hingegen meist allemal mit den jüngeren Mitarbeitern mithalten.

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erstellt am 20.Apr.2012 | 09:49 Uhr

Hasenwinkel | Nachdem Kathleen Winnen den Alterssimulationsanzug ausgezogen hatte, stöhnte sie mitfühlend: "Mein Gott, wie sollen unsere älteren Mitarbeiter ihre Arbeit überhaupt schaffen." Die 37 Jahre alte Unternehmerin war in einen mit Gewichten behangenen Overall geschlüpft, hatte eine das Blickfeld reduzierende und verzerrende Taucherbrille und Schall schluckende Ohrenschützer aufgesetzt sowie ihren Tastsinn mit dünnen Handschuhen eingeschränkt. Künstlich um rund 40 Jahre "gealtert", versuchte sie sich zu orientieren, Treppen zu steigen und mit einer Fernbedienung zu bedienen.

Während die Managerin eines Pumpenherstellers sich wieder "verjüngen" konnte, müssen viele ältere Arbeitnehmer nach und nach mit körperlichen und geistigen Einschränkungen klarkommen. "Das ist die derzeit größte Herausforderung für die Unternehmer", sagte Hans-Dieter Bremer, Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände in Mecklenburg-Vorpommern (VUMV) gestern auf der vierten Demografietagung des Verbandes. Da immer mehr Mecklenburger und Vorpommern in Rente gehen, aber der Nachwuchs fehlt, müssen die Firmen dafür sorgen, die Potenziale der vorhandenen Mitarbeiter zu nutzen.

Ältere Mitarbeiter haben weniger Kraft, kommen nicht mehr an jedes Regal, brauchen mehr Licht am Arbeitsplatz und überhören akustische Warnsignale, wenn sie zu hoch tönen, zählte Roland Schoeffel einige Beispiele für den natürlichen Alterungsprozess auf. Wenn es um erlerntes Wissen und Erfahrung geht, könnten die älteren Mitarbeiter hingegen meist allemal mit den jüngeren mithalten.

Während Firmenberater Schöffel Unternehmer wachrütteln will, bot Christian Graf von der TSR-Consulting einen besonderen Mitarbeiter-Test an, der die Herztätigkeit über 24 Stunden misst, auswertet und die Leistungs- und die Ruhekurven der Mitarbeiter analysiert, die laut Graf gerade bei älteren Mitarbeitern anders verteilt sind als bei jüngeren.

Große Unternehmen kümmern sich längst um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und versuchen, sie entsprechend ihrer altersgemäßen Fähigkeiten einzusetzen. Viele der meist kleinen und oft auch personalintensiven Firmen in Mecklenburg-Vorpommern tun sich damit immer noch schwer, so Bremer. Dabei sei es angesichts des zunehmenden Mangels an Fachkräften für einige Unternehmen eine Frage des Überlebens, die Arbeitskräfte zu sichern. "Wer sich bereits damit beschäftigt hat, hat sicher einen Wettbewerbsvorteil", glaubt Bremer. Einige davon stünden allerdings vor dem Problem, dass nicht jeder Arbeitnehmer bereit sei, sich auf neue Aufgaben einzustellen.

Um die Gesundheitsvorsorge zu verbessern, soll bald eine neues Netzwerk, in dem Arbeitgeber, Gewerkschaften, Krankenkassen und Dienstleister zusammenarbeiten, Gesundheitsberater in die Betriebe schicken. Das Land lässt sich das Projekt eine Million Euro kosten, so Schwesig. "Mit ein bisschen Rückenschule ist das Problem nicht zu lösen", warnte die Ministerin.

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