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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 19:45 Uhr

Wird die Theaterreform ausgebremst?

vom

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2013 | 06:33 Uhr

Schwerin. | Kultusstaatssekretär Sebastian Schröder geht Ende März in Elternzeit. Aber Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) braucht sich offenbar dennoch keine Sorgen zu machen. Denn an einer der wichtigsten Aufgaben des Ministeriums kann der oberste Beamte sowieso vorerst kaum weiterarbeiten. Die Hälfte der kommunalen Träger der Theater und Orchester im Land lassen sich Zeit mit einer Aussage, in welche Richtung sie sich eine Theaterreform vorstellen können - mehr Zeit, als sich Brodkorb gewünscht hat.

Im November hatte die SPD/CDU-Koa lition die einst neun Reform-Modelle auf zwei Alternativen zusammengestrichen. Beim Modell "Zwei Landesopern" sollen die Musiksparten im Westen und im Osten des Landes zusammengeführt werden, Sprechtheater und das Ballett sollen an allen Standorten eigenständig bleiben. Das Modell "Zwei Staatstheater" sieht vor, alle Sparten der Theater in Rostock und Schwerin, sowie jene der Theater in Stralsund, Greifswald, Neubrandenburg/ Neustrelitz organisatorisch zu vereinen. Ursprünglich wollte Brodkorb bereits im Januar von den Kommunen ein Votum, welches Modell er vertieft prüfen soll. Bislang hat nur Schwerin geliefert. In Stralsund und Greifswald zeichnet sich zwar eine Entscheidung ab. Aber in Rostock und Neubrandenburg ist kein Votum abzusehen. Intern heißt es in Rostock sogar, dass eine Entscheidung erst nach der Bundestagswahl im September fallen könnte.

Aus dem Kultusministerium heißt es dazu: "Wir können ja den Kommunen keinen Druck machen." Für Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow wäre das fatal. "Wir brauchen eine schnelle Entscheidung", sagte sie dieser Zeitung. Ohne eine schnelle Reform benötige das Mecklenburgische Staatstheater in der Landeshauptstadt wohl erneut Extra-Zuschüsse vom Land.

Dabei hatte Brodkorb an die kommunalen Träger bereits Vertrags-Entwürfe verschickt, mit denen ein paar grundlegende Voraussetzungen geregelt werden sollen. So sagt das Land zu, sich an den einmaligen Sonderkosten zu beteiligen, die durch die Reform anfallen. Der Landeszuschuss für die Theater soll von knapp 36 Millionen Euro bis 2020 festgeschrieben werden, die Theater sollen ihren Mitarbeitern 8,50 Euro Mindestlohn zahlen und Spitzenpositionen dürften nur neu besetzt werden, wenn das Land zustimmt.

Selbst wenn bei all diesen Details die verschiedenen Kommunalpolitiker unterschiedliche Meinungen vertreten, so gibt es auch über die grundsätzliche Richtung der Reform keine einheitliche Meinung. In Rostock wird weiterhin über ein vollständig eigenständiges Theater debattiert. Schwerin hingegen hat sich auf die vollständige Zusammenarbeit mit Rostock fokussiert. Stralsund und Greifswald favorisieren das Modell zweier Landesopern und selbstständiger Theater. Möglicherweise wird der Kreistag Mecklenburger Seenplatte erst in einer Sondersitzung im April oder Mai zu einem Votum kommen, sagt der aus der Region stammende Landtagsabgeordnete Torsten Koplin (Linke). Der von Brodkorb aufgebaute Zeitdruck habe sich entspannt, die kommunalpolitische Realität, "hat den Minister eingeholt". In Brodkorbs Heimatstadt Rostock könnte sich die Entscheidung bis in den Spätsommer verschieben. Mit dem Ringen um die Eigenständigkeit des Rostocker Theaters lasse sich vermutlich auch Bundestags-Wahlkampf machen, befürchten Beobachter. Schließlich will zum Beispiel der Ex-Landeschef der Linkspartei, Steffen Bockhahn, um ein Direktmandat für den Bundestag kämpfen. Da braucht es auch kontroverse regionale Themen. Auch die SPD kann kaum ein Interesse daran haben, mit unbeliebten landespolitischen Entscheidungen Wähler zu vergraulen.

Wenn denn alle Voten der Kommunen gefällt sind, braucht die Münchner Beratungsfirma Metrum noch einmal zwei Monate für die Tiefenprüfung. Bis dahin ist auch Staatssekretär Schröder aus der Elternzeit zurück.

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