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Mecklenburg-Vorpommern

14. Dezember 2017 | 01:56 Uhr

Parchim : Wird am Ende alles teurer?

vom

„Ich bin mir ziemlich sicher, im Grundsatz wird auch in Parchim vieles teurer werden“, lautete die Neujahrsbotschaft von Bürgermeister Bernd Rolly. Sollte er neun Monate später Recht behalten?

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erstellt am 19.Okt.2012 | 10:27 Uhr

„Ich bin mir ziemlich sicher, im Grundsatz wird auch in Parchim vieles teurer werden“, lautete am 16. Januar in der Parchimer Zeitung die Neujahrsbotschaft von Bürgermeister Bernd Rolly (SPD). Inzwischen sind mehr als neun Monate ins Land gegangen. Sollte der Bürgermeister wieder einmal Recht behalten?

Zunächst wurden in der Kreisstadt die Parkgebühren verdoppelt. Viele Autofahrer reagierten sauer, da sie sich angesichts steigender Treibstoffpreise ohnehin als „Melkkuh der Nation“ fühlen. Doch auch den Grundstückseigentümern geht es nicht viel besser. Die Grundsteuer A (für landwirtschaftlich genutzte Flächen) wurde in Parchim angehoben. Im Frühjahr waren dann auch Gastronomen und Einzelhändler betroffen. Eine neue Gebührenordnung für die so genannte Sondernutzung von öffentlichen Straßen (zum Beispiel für die Außenterrasse) verschärft den Kostendruck auf die in der Innenstadt verbliebenen Geschäfte.

Bernd Rolly bekam Rückendeckung von der Mehrheit der Stadtvertreter, die seiner Argumentation „Kleinvieh macht auch Mist“ , wenn auch Zähne knirschend, folgten. „Bei der kontroversen Diskussion fällt uns jetzt auf die Füße, dass wir jahrelang viele Zugeständnisse gemacht haben. Es wurde höchste Zeit für ein Umdenken“, hat Bernd Rolly aus seiner Meinung keinen Hehl gemacht.

Nach der Sommerpause steht nun erneut das Thema Geld im Mittelpunkt des kommunalpolitischen Geschehens. In mehreren Fachausschüssen der Stadtvertretung wurde in den zurückliegenden Wochen über Vorlagen der Stadtverwaltung, die die Parchimer und auch ihre Gäste in der eigenen Brieftasche spüren dürften, kontrovers diskutiert. Diesmal geht es um die Eintrittspreise für das städtische Schwimmbad am Wockersee und das Museum.

Im Vorjahr hatten die Stadtvertreter in einem Haushaltssicherungskonzept festgelegt, dass alle Fachbereiche nach Einspareffekten oder zusätzlichen Einnahmen durchleuchtet werden sollen. Dabei gerieten auch die Eintrittsgelder des Freibades in den Fokus. Im Kultur- und Sozialausschuss war man sich der Verantwortung, vor allem den Kinder und Jugendlichen ein bezahlbares Bad mit Aufsicht anzubieten, durchaus bewusst. Andererseits scheint eine erste Erhöhung der Schwimmbadpreise seit fast 18 Jahren durchaus legitim. Die konkreten Pläne sehen vor, dass sich die Tageskarten um bis zu 60 Prozent (Erwachsene 1,60 Euro; ermäßigt – Kinder 4 bis 14 Jahre, Studenten, Rentner – 0,80 Euro) erhöhen. Die Saisonkarte für Vollzahler könnte im kommenden Sommer 22,50 Euro kosten.

In den vergangenen Jahren „erwirtschaftete“ das Schwimmbad ein jährliches Defizit von mehr als 77 000 Euro. Die Neuregelung der Eintrittspreise soll einen Mehrerlös von rund 2000 Euro bringen. Kritiker befürchten allerdings, dass vor allem Kinder aus sozialschwachen Familien auf unbewachte Badestellen ausweichen.

Seit 1996 galten auch im Museum unveränderte Eintrittspreise. Für nur einen Euro konnten Erwachsene einen beispiellosen Exkurs durch die Geschichte ihrer Heimatstadt unternehmen. Kinder mussten nur die Hälfte bezahlen und eine Führung schlug mit fünf Euro zu Buche. Ein Vorschlag, dem im Ausschuss für Kultur und Soziales alle Mitglieder zustimmten, sieht vor, dass Erwachsene künftig 2,50 Euro, Kinder 1 Euro zahlen und sich die Kosten für eine Führung auf zehn Euro verdoppeln. Damit soll sich das bisherige Defizit des Museums von bis zu 156 000 Euro (2011) auf künftig rund 149 000 Euro verringern.

Und selbst der Martinimarkt bekommt die klammen Stadtkassen zu spüren. Nach Überarbeitung der Satzung müssen die Schausteller diesmal für die Standgebühren tiefer in die Tasche greifen. Das ist für viele besonders schmerzlich, weil sie bereits mit ständig steigenden Betriebskosten konfrontiert sind und die höheren Aufwändungen nicht ohne weiteres an ihre Besucher weiter geben können.

Am kommenden Mittwoch haben die Stadtvertreter zu entscheiden, ob sie den Vorschlägen der Verwaltung zur Erhöhung der Eintrittsgelder für das Museum und das Bad am Wockersee zustimmen. Doch auch danach kann das Millionenloch im Haushalt nicht gestopft werden. Die Suche nach neuen Einnahmequellen geht wohl auch in der Kreisstadt weiter.

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