Dorfbewohner zeigen Bauern an : Wirbel um die Gülle

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Die Düngeverordnung des Landes lässt Spielräume. Wenn tagsüber der Boden an der Oberfläche auftaut, darf auch nach Frostnächten Gülle auf die Felder. Doch solche Feinheiten kennen Dünge-Kritiker nicht - und zeigten Bauern daher an.

svz.de von
12. Februar 2018, 21:00 Uhr

Trotz der zuletzt winterlichen Temperaturen kann nach Angaben des Bauernverbands in Mecklenburg-Vorpommern seit Anfang Februar wieder Gülle auf die Felder gesprüht werden. Entscheidend für die Zulässigkeit sei die Aufnahmefähigkeit des Bodens. Dies sein dann gewährleistet, „wenn die oberste Bodenschicht auftaut“, erklärte Bauernpräsident Detlef Kurreck. Er reagierte damit am Montag auf jüngste Strafanzeigen gegen Landwirte. Unter Berufung auf Veröffentlichungen des Schweriner Agrar- und Umweltministeriums hätten besorgte Anwohner Bauern angezeigt.

Die aktuellen Witterungsbedingungen seien in vielen Teilen des Landes derzeit optimal für das Ausbringen von Gülle. „Ist der Boden am Morgen noch gefroren, bietet er die notwendige Tragfähigkeit, um den Acker zu befahren und den Dünger auszubringen ohne diesen durch Bodenverdichtung zu schädigen. Taut der Boden dann zur Mittagszeit auf, kann er die wichtigen Nährstoffe der Gülle aufnehmen und im Boden binden“, erläuterte Kurreck. Die Bauern machten ihre Entscheidungen jeweils von den detaillierten Vorhersagen des Deutschen Wetterdiensts abhängig.

Die Erstatter der Anzeigen hatten sich offensichtlich von der Ankündigung von Agrarminister Till Backhaus (SPD) leiten lassen. Dieser hatte Ende voriger Woche das Ausbringen von Gülle auf gefrorenem Boden als Verstoß gegen die Düngeverordnung bezeichnet und mit empfindlichen Bußgeldern und Kürzungen der EU-Direktzahlungen gedroht.

Laut Wetterdienst ist der Boden nach dem Dauerfrost der vergangenen Tage bis zu 20 Zentimeter tief gefroren. Damit könne er die stickstoffhaltige Gülle nicht aufnehmen und ein Abschwemmen ins Oberflächenwasser nicht ausgeschlossen werden, argumentierte Backhaus. Der Düngereinsatz in der Landwirtschaft gilt als Hauptgrund für die kontinuierliche Überschreitung der Nitratwerte in Grund- und Oberflächenwasser.

Nach den Worten Kurrecks reicht es aber aus, wenn tagsüber nur wenige Zentimeter des Bodens aufgetaut sind. Dann seien die Voraussetzungen zur Ausbringung des Düngers gegeben. Auf Grundlage der offiziellen Wetterprognose sowie der Erfahrungen und des pflanzenbaulichen Fachwissens träfen die Landwirte dann ihre Entscheidungen. „Es gilt also, Bodenfrost am Morgen und Abend sowie eine aufgetaute, aufnahmefähige Bodenschicht zur Tageszeit sind ideale Voraussetzungen für das Ausbringen unserer wertvollen Nährstoffe, die für das Pflanzenwachstum entscheidend sind“, machte Kurreck deutlich.

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