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Freier Horizont : „Wir wollen Gestalter sein, keine Verhinderer“

vom
Aus der Onlineredaktion

Freier Horizont will Ruf als Anti-Windkraft-Partei loswerden. Ziel der Partei ist der Einzug in die Kommunalparlamente im Jahr 2019

Der Freie Horizont hadert mit seinem Ruf als Anti-Windkraft-Partei. Seit einem Jahr stellt Parteichef Norbert Schumacher immer wieder klar, dass es der Partei nicht um die Ablehnung von Windkraft geht. Ihr Anliegen sei die Landesentwicklung. „Wir wollen Gestalter sein, keine Verhinderer“, macht Schumacher deutlich. Windkraftkritiker – das kann er gelten lassen. Aber ohne Windparks und ihre wachsende Ablehnung in Regionen wie Altentreptow (Mecklenburgische Seenplatte) mit einer ungewöhnlich hohen Windrad-Dichte würde es die Partei wahrscheinlich nicht geben.

Schumacher, der eine Tierarztpraxis in Neubrandenburg betreibt, engagiert sich seit 20 Jahren in der Stadtvertretung von Penzlin, einer Partei vorzustehen sei jedoch nie sein Ziel gewesen, sagt der 57-Jährige. Doch nun ist „Politik aus Notwehr“ sein Stichwort.

Vor einem Jahr schlossen sich Kritiker des Windkraft-ausbaus erstmals zu einer Partei zusammen. In dem von Windrädern umringten Städtchen Altentreptow gründeten 32 Bürger am 27. Februar 2016 die Partei Freier Horizont. Viele kamen aus einer der Bürgerinitiativen gegen Windparks, die sich zuvor landesweit zum gleichnamigen Aktionsbündnis gegen den unkontrollierten Windkraftausbau vereint hatten.

Ein halbes Jahr nach der Gründung folgte den hochfliegenden Plänen der jungen Partei im Landtagswahlkampf Ernüchterung. Mit einer eigenen Fraktion im Landesparlament hatte niemand gerechnet, mit mehr als 0,8 Prozent der Stimmen am 4. September schon. Da tröstet es wenig, dass der Freie Horizont in einigen Gemeinden in seinem Kerngebiet stärkste Kraft geworden war. Das Ergebnis reicht nicht, um wie erhofft Geld aus der staatlichen Parteienfinanzierung zu erhalten. Dafür wäre ein Prozent der Stimmen nötig gewesen. „So bleiben wir auf allen Kosten sitzen“, sagt Schumacher und denkt an Plakate und Flyer. „Bei uns wird alles ehrenamtlich gemacht.“

Einige Mitglieder haben die Partei nach der Landtagswahl verlassen, andere sind eingetreten. Der Rostocker Chemiker Ralf Mundkowski wollte in einer Partei mitwirken, die es ehrlich meint, in einer Partei ohne Funktionäre, sagte er. Ihn treibe mehr die „chaotische Wirtschaftspolitik“ in MV  um als  die Windparks. 9,7 Milliarden Euro Schulden habe das Land. Sollte da nicht mehr in Investitionsprogramme gesteckt werden, die wieder Geld einbringen, anstatt nur zu sparen und Schulden abzubauen, fragt er.

„Windkraft interessiert in der Stadt nicht sehr. Wenn die Windräder vorm Gartentor stehen, ist das etwas anderes“, ist Mundkowski überzeugt. Doch verschont bleibt auch die Hansestadt nicht. In Groß Schwaß bei Rostock sollen zwei 190 Meter hohe Versuchsanlagen in einem Wohngebiet gebaut werden, berichtet er. „Eine billige Möglichkeit wegen der guten technischen Anbindung.“ Zum Schwerpunkt seiner Arbeit will Mundkowski dies aber nicht machen. Er blickt weit voraus: „Die Kommunalwahlen 2019 sind das nächste Ziel.“ Die Partei sieht Chancen, in Stadt- und Gemeindevertretungen einzuziehen.

Mundkowski will sich vor allem in Themen wie Bildung, Kultur und Bürgerbeteiligung einbringen. Zu oft würden die Menschen vor vollendete Tatsachen gestellt. Er ist dafür, dass Entscheidungsgremien viel häufiger Bürgerinitiativen oder andere Experten mit an den Tisch holen. Nicht an den demokratisch gewählten Repräsentanten vorbei, aber mit ihnen und vielleicht auch mit einem Stimmrecht. „Wenn die Bürger spüren, dass ihr politischer Wille respektiert wird, werden nicht mehr so viele auf Rechte reinfallen.“

Zudem sieht er eine Diskrepanz in der Entwicklung auf dem Lande und im urbanen Bereich. Er beobachte eine Zersetzung der ländlichen Strukturen, sagt Mundkowski. Da würde er gerne Aufklärungsarbeit in der Stadt leisten und Solidarität wecken. Schumacher sagt, er fühle sich vorrangig kompetent für die Bereiche ländlicher Raum, Landwirtschaft – und, natürlich, Windkraft.

Am 8. April kommt die Partei in Lambrechtshagen bei Rostock zu einem Parteitag zusammen.  

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