Es wird schlimmer : Wir steuern geradewegs in die Klimakatastrophe

Unter der Hitze stöhnt das ganze Land. Doch bald schon könnten die Norddeutschen ganz schön nasse Füße bekommen.

Unter der Hitze stöhnt das ganze Land. Doch bald schon könnten die Norddeutschen ganz schön nasse Füße bekommen.

Das Wetter lässt bei vielen ein mulmiges Gefühl aufkommen. Bleibt das auch die Ausnahme? Wissenschaftler warnen: Es könnte noch viel schlimmer kommen

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07. August 2018, 20:45 Uhr

Deutschland ächzt unter der Hitze. Stress für die Menschen, Stress für die Umwelt. Der Klimawandel rückt so klar ins Bewusstsein wie lange nicht. Nun hat eine neue Studie die Debatte noch einmal angeheizt. Internationale Forscher warnen vor einem Dominoeffekt, der in eine Heißzeit führen könnte. Fragen und Antworten zum Thema:

Welche Belege gibt es schon für den Klimawandel?

Die Erde habe sich bereits durchschnittlich um 1,1 Grad seit dem 19. Jahrhundert erwärmt, sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Weitere Belege für den Klimawandel sind das schmelzende Eis an den Polen, Gletschern und auf Grönland, die Erwärmung der Ozeane bis in große Tiefen und der immer rascher werdende Anstieg des Meeresspiegels.“ Hitzerekord-Monate seien bereits fünfmal häufiger, als bei einem stabilen Klima zu erwarten wäre. „Es gibt erdrückende Belege, dass der Mensch für nahezu die komplette globale Erwärmung verantwortlich ist“, sagt Rahmstorf.

Welche Bedeutung hat der Jetstream für den Hitzesommer?

Die Luftströmung fließt in großen Wellen in neun bis zwölf Kilometern Höhe um die Nordhalbkugel. An den Wellen entlang ströme warme Luft von den Tropen oder kalte Luft aus dem Norden etwa nach Europa, erläutert Rahmstorf. Da sich die Arktis durch den Klimawandel derzeit stärker erwärme als die Tropen, werde die Temperaturdifferenz dazwischen kleiner. Daher verharre der Jetstream immer häufiger in großen Schleifen und so blieben Wetterlagen wie Trockenzeiten, aber auch Regen oder Kältewellen länger bestehen.

Was besagt die neue Heißzeit-Studie?

Bislang nehmen viele Forscher an, dass die Klimaerwärmung bei zwei Grad gestoppt werden kann. Nun verweist ein internationales Team darauf, dass selbst bei unter zwei Grad durch verschiedene Kippelemente eine Kaskade von Prozessen starten könnte, die langfristig zu vier bis fünf Grad Celsius Erwärmung und einem Meeresspiegel-Anstieg um 10 bis 60 Meter führen könnte. Langfristig bedeutet laut PIK ein Zeitraum „über Jahrhunderte und vielleicht Jahrtausende“. Es sei jedoch noch viel Forschung nötig, um das Risiko für den Start der Kaskade abzuschätzen, betonen die Autoren im Fachjournal „PNAS“.  

Was sind Kippelemente?

Das sind Komponenten im Erdsystem, die der Klimawandel grundlegend verändern kann: So könnten etwa die Permafrostböden in Russland oder Nordamerika auftauen und dabei große Mengen Kohlendioxid und Methan freisetzen. Der Amazonas-Regenwald könnte mehr Kohlendioxid abgeben, als er aufnimmt. Das Eisschild Grönlands könnte komplett abtauen.

Wie läuft der weltweite Kampf gegen den Klimawandel?

Im Zentrum steht das Pariser Klimaabkommen von 2015 mit dem Ziel, die Erderwärmung auf „deutlich unter zwei Grad“ zu begrenzen. Allerdings sind die Nationen noch lange nicht auf Kurs, selbst wenn sie die verkündeten Ziele fürs CO2-Sparen schaffen würden.   Im Dezember findet in Polen die nächste Weltklimakonferenz statt, die ein Regelbuch für die Umsetzung des Pariser Abkommens verabschieden soll. Aber die Klimadiplomaten sind nicht im Zeitplan – es soll deswegen ein zusätzliches Treffen im September in Bangkok geben.

Was passiert in Deutschland?

 Deutschland schlittert auf eine klimapolitische Blamage zu. Sein Ziel für 2020, den CO2-Ausstoß um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu drücken, ist ohne radikale Maßnahmen nicht mehr zu schaffen. Zudem verfehlt Deutschland wohl demnächst auch EU-Ziele und muss sich freikaufen bei Staaten, die weniger CO2 ausstoßen, als sie dürften. Über einen Zeitplan für den Kohleausstieg verhandelt eine Kommission, die bis Ende des Jahres liefern soll. Düster sieht es bisher beim Verkehr aus, in dem der CO2-Ausstoß seit 1990 nicht gesunken ist.

Und was ist mit der Landwirtschaft, die Hilfen fordert?

Massentierhaltung und die intensive Bewirtschaftung von Feldern verschärfen die ökologische Schieflage weiter. Gerade wird etwa diskutiert, inwiefern Subventionen für die Höfe an Umweltauflagen gebunden sein sollten. Allerdings würde eine Agrarwende nicht nur für viele Bauern eine Umstellung bedeuten, sondern auch für die Konsumenten.

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