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leben mit down-syndrom : „Wir sind Sieger! Heute! Und an jedem neuen Tag!“

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Lena ist beim 12. Sportlerfestival der Menschen mit Down-Syndrom dabei

svz.de von
erstellt am 16.Mai.2014 | 11:58 Uhr

Im Garten steht ein Pool, direkt daneben ist ein Trampolin aufgebaut: Wer Familie Flögel in ihrem idyllischen Heim in Ludwigslust besucht, ahnt bereits, dass hier ein aktives Kind zu Hause ist. Und schnell wird klar, es ist die 13-jährige Lena. Sie ist ein wahres Energiebündel. „Lena macht sehr gerne und viel Sport“, sagt Birgitt Flögel. Sie fahre Fahrrad, möge es zu laufen und zu schwimmen. „Besonders Tauchen macht ihr Spaß“, erzählt ihre Mutter. Demnächst soll auch noch Reiten dazu kommen. Nichts Besonderes für eine Jugendliche? Doch. Denn Lena hat das Down-Syndrom.

Menschen mit Down-Syndrom haben in ihren Erbanlagen mehr Chromosomen als andere Menschen, nämlich 47 statt 46. Das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden. Fünf Millionen Menschen leben dem deutschen Down-Syndrom Infocenter zufolge weltweit mit dieser genetischen Besonderheit. Zu den körperlichen Folgen zählen die typische Kopf- und Gesichtsform, häufig ein angeborener Herzfehler sowie Magen- und Darmstörungen. Kinder mit Down-Syndrom sind außerdem oft anfällig für Infekte und weisen Defizite bei der sprachlichen sowie geistigen Entwicklung auf. Sie benötigen eine besondere Förderung. Auch Muskelschwäche ist ein Symptom des überzähligen Chromosoms. „Deshalb haben wir das Trampolin und den Pool angeschafft“, erzählt Birgitt Flögel. „Bewegung ist für Lena wichtig.“

Und weil das lebenslustige Mädchen große Freude an sportlichen Aktivitäten hat, hat ihre Mutter sie beim Deutschen Down-Sportlerfestival angemeldet. Es ist die weltweit größte Veranstaltung dieser Art für Menschen mit Down-Syndrom und findet alljährlich in Frankfurt am Main statt. Dieses Mal am 17. Mai. Knapp 2500 Gäste aus ganz Deutschland werden erwartet – ebenso mehr als 500 Sportler, die sich unter anderen in den Disziplinen Sprinten, Werfen und Springen, sowie Tennis, Golf und Judo messen. Das Motto in diesem Jahr: „Wir sind Sieger! Heute! Und an jedem neuen Tag!“

Zusammenhalt wird auf dem einzigartigen Event groß geschrieben. Das freut besonders Lenas Mutter. „Es geht darum, Spaß zu haben, füreinander da zu sein und sich zu unterstützen.“ So kann sie es auch kaum erwarten, zu sehen, wie ihre Tochter auf die anderen Kinder reagieren wird.

Für die 13-Jährige ist es das erste Mal, dass sie so viele Menschen trifft, die so sind wie sie. Angst vor dem Treffen hat Lena nicht. Im Gegenteil. „Ich freue mich auf alles“, sagt sie. Ein bisschen aufgeregt sei sie aber trotzdem. Auch für ihre Eltern wird das Festival etwas Besonderes. „Es wird spannend, andere Eltern kennenzulernen, deren Kinder auch das Down-Syndrom haben“ sagt Birgitt Flögel. „Da herrscht bestimmt eine herzliche Atmosphäre“, so ihre Hoffnungen.

Die 54-Jährige hat ihre Tochter für den Tanz-Workshop des Sportlerfests angemeldet. Denn Lena liebt das Tanzen. Seit drei Jahren nimmt sie Unterricht. Training ist einmal die Woche. Obendrein verwandelt sie immer wieder das heimische Wohnzimmer in einen Tanzsaal. „Sie macht sich Musik an und legt einfach los“, so Birgitt Flögel. Auf dem Festival wird Lena eine Choreografie einstudieren und dann vor Publikum präsentieren.

Etwas in so kurzer Zeit zu lernen, fällt Menschen mit Down-Syndrom nicht leicht. Sie haben ihren eigenen Kopf, machen meist nur das, was sie wollen. Zudem können sie selten richtig lesen und schreiben. Auch Lena hat mit Buchstaben ihre Schwierigkeiten. Dennoch interessiert sie sich für Bücher, genauer gesagt für gute Geschichten. Ihre Mutter liest ihr deshalb regelmäßig etwas vor. „Derzeit mag sie Krimis“, erzählt Birgitt Flögel. Noch viel lieber schaut Lena sich Kriminalfälle im Fernsehen an. So verpasst sie keine Sendung der Kinderserie „Die Pfefferkörner“, in der Jugendliche die Rolle der Ermittler übernehmen. Ein Traum von Lena wäre es, einmal in der Serie mitzuspielen.

Die 13-Jährige ist für ihr Alter sehr selbstbewusst. Und besonders einfühlsam. „Das ist typisch für das Down-Syndrom“, sagt ihre Mutter. Sie sei immer wieder erstaunt, wie sensibel Lena auf die Gefühle anderer reagiert. „Sie merkt viel früher als ich, wenn es jemandem nicht gut geht.“

Dieses Mitgefühl schätzen ihre Klassenkameraden. Lena besucht die katholische Grundschule Edith-Stein in Ludwigslust, wo sie einen eigenen Betreuer hat. „Sie ist gut integriert, hilft gern anderen Schülern. Und die freuen sich mit ihr über ihre Erfolge“, erzählt Birgitt Flögel.

Die freiberufliche Autorin hatte bei der Geburt von Lena Angst, den Alltag mit einem Mädchen mit Down-Syndrom und vier älteren Kindern nicht zu schaffen. Heute weiß sie, dass die Befürchtungen unberechtigt waren. „Alles läuft viel entspannter, als ich gedacht hatte“, resümiert sie. „Lena ist nicht viel anders als gesunde Kinder. Eigentlich ist sie ja gesund, sie hat nur das Down-Syndrom.“

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