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Hagenow : "Wir sind nicht für Brunnenbau zuständig"

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Manchmal ist der ferne Krieg auch in der Heimat sichtbar. Wie am vergangenen Wochenende. Da stand auf dem Stadtbahnhof ein Zug mit teilweise neuen Gefechtsfahrzeugen, wie sie derzeit nur in Afghanistan eingesetzt werden.

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erstellt am 18.Apr.2012 | 12:05 Uhr

Hagenow | Manchmal ist der ferne Krieg auch in der Heimat sichtbar. Am vergangenen Wochenende war das so. Da stand auf dem Hagenower Stadtbahnhof ein Zug mit teilweise neuen Gefechtsfahrzeugen, wie sie derzeit nur in Afghanistan eingesetzt werden. An die "Dingos", die jahrelang in Deutschland nicht zu sehen waren, haben sich die Hagenower und Toddiner schon gewöhnt. Jetzt kamen der neue Radpanzer "Boxer" oder der "Eagle" dazu. Alle diese Fahrzeuge gehören zusammen mit einer minengeschützten Variante des "Marders" zu einem ganz besonderen Fuhrpark, mit dem die Hagenower Soldaten in den vergangenen Wochen üben durften. Jetzt sind diese Einsätze z. B. auf den niedersächsischen Übungsplatz Bergen verlegt worden.

Die Kerndaten des Einsatzes sind klar, Ende Juni verlegen die erste Hagenower Soldaten ins Krisenland, der Einsatz beginnt offiziell im Juli und wird vier Monate dauern. Aktueller Stand: die Hagenower gehen mit drei Kampfkompanien und einer Stabskompanie runter in den Einsatz, das sind gut 400 Mann. Zuvor gibt es am 4. Mai den großen Verabschiedungstermin mit anschließendem Biwak in der Kaserne, zu dem wieder hunderte Gäste aus der Region eingeladen werden.

Auch Militärs planen gern langfristig, zumal wenn es um gefährliche Einsätze geht. Doch die Hagenower Grenadiere konnten das in Vorbereitung ihres in wenigen Wochen beginnenden Afghanistan-Einsatzes nur bedingt tun. Die Politik griff ein, der bis 2014 terminierte Abzug der NATO aus dem Land wirft seine Schatten voraus, die Bundeswehr wird ihre Kräfte in dem Krisenland von jetzt 5350 auf 4400 senken. Die Hagenower werden zu den ersten gehören, die das neue Konzept umsetzen müssen. Ursprünglich sollten die Grenadiere aus Westmecklenburg den Kern einer ziemlich bunt zusammengesetzten Kampftruppe in Kunduz stellen. Damit wäre ein erneuter Einsatz als "Feuerwehr" mit vielen scharfen Einsätzen garantiert gewesen. Jetzt kommt es anders, und es spricht einiges dafür, dass es nicht unproblematischer wird. "Der neue Schwerpunkt liegt klar bei den Afghanen", erklärt auch Bataillonskommandeur Andreas Kühne die neue Lage. Es geht um den Übergang zu einer stärkeren Eigenverantwortung, im Nato-Sprech auch "Partnering" genannt. Das bedeutet, die deutschen Soldaten mit ihren Kampfkompanien sind bei Einsätzen allenfalls begleitend und untersützend dabei. Die Kämpfe gegen die Aufständischen und Taliban führen und planen die Afgahnen selbst. Geholfen wird dann z. B. bei der Aufklärung oder dem Einsatz von Technik. Soweit die Theorie. Nicht nur Oberstleutnant Kühne weiß, wie gefährlich das wird. "Wir sind dort definitiv nicht für den Brunnenbau zuständig. Es bleibt gefährlich, auch weil wir uns bei der Planung den Afgahnen öffnen müssen."

Auch für Kühne selbst ändern sich die Aufgaben, er wird "Ground Force Commander SP Kunduz". Klar ist auch, dass die Hagenower eng mit Amerikanern zusammenarbeiten werden, die vor allem die Hubschrauber stellen. Kühne hat seinen amerikanischen Partnerkommandeur schon persönlich kennengelernt und hält auf die GIs große Stücke. "Diese Piloten fliegen mit ihren Black Hawks auch bei Beschuss rein und holen uns im Notfall raus. Umgekehrt schätzen die Amerikaner auch unsere infanteristischen Fähigkeiten."


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