"Wir sind ganzjährig für den Film da"

Torsten Jahn ist Geschäftsführer der Filmland-Gesellschaft, dem Veranstalter des Filmkunstfestes. Holger Kankel und Philip Schroeder trafen ihn zum Gespräch.
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Torsten Jahn ist Geschäftsführer der Filmland-Gesellschaft, dem Veranstalter des Filmkunstfestes. Holger Kankel und Philip Schroeder trafen ihn zum Gespräch.

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06. Mai 2012, 07:18 Uhr

Herr Jahn, viele tolle Gäste, viele tolle Filme - wie fällt Ihre Bilanz des 22. Filmkunstfestes aus?

Viele tolle Gäste, viele tolle Filme, angenehme Gespräche und eine gute Atmosphäre. Ich glaube, dass das Filmkunstfest als Publikumsfestival auch für das Publikum da war und genauso für die Filmemacher. Ich habe mich sehr wohlgefühlt und es war ein sehr heiteres Festival.

Ist der Streit von Anfang des Jahres um den Künstlerischen Leiter nun vergeben und vergessen?

Wir haben mit einem tollen Team ein tolles Festival hingelegt. Das haben wir immer gesagt. Dafür steht das Team, jeder im Team. Das Team ist kreativ, flexibel, engagiert und von hier. Wir sind stolz, dass wir dieses Festival veranstalten dürfen.

Der Künstlerische Leiter hatte aber nur einen Vertrag für 2012. Können Sie sich vorstellen, weiter mit Stefan Fichtner zusammenzuarbeiten?

Grundsätzlich kann ich mir alles vorstellen, was dem Festival nutzt. Alles Weitere wird sich zeigen. Es gibt, das müssen Sie akzeptieren, auch Gremien innerhalb der Filmland-Gesellschaft, und es gibt Vorgänge und diese Vorgänge werden sicherlich ein Ergebnis haben. Aber natürlich sind wir im Gespräch.

Um die Filmförderung in MV in zwei Schienen - wirtschaftlich und kulturell - gibt es immer wieder Diskussionen. Ist die Aufspaltung sinnvoll?

Die wirtschaftliche Filmförderung definiert ganz klare Effekte, die eine Produktion nachweisen muss: Für jeden Euro Förderung müssen sie zwei Euro im Land lassen. Die Mund-zu-Mund-Propaganda hat auch einen tollen Effekt, die Branche ist klein, das dürfen Sie nicht vergessen. Mecklenburg-Vorpommern hat unverbrauchte Drehorte, Landschaften und ein ganz offenes Klima für Produktionsteams, jenseits von Geld und geldwerten Leistungen. Wir haben ja selbstbewusst plakatiert: Großes Kino - gedreht in MV. Das sind nicht alles geförderte Produktionen, aber es sind Filme, die sich dem Land stellen, die Identität schaffen - und die Zuschauerresonanz ist groß.

Wie sieht Ihre Idealvorstellung einer Filmförderung aus?

Das kann nicht ich beurteilen, das muss die Politik beurteilen. Ich halte es für gut, dass es in einem Land möglich ist, Stoffe zu fördern, Drehbücher zu fördern und eine Produktion im Produktionsprozess zu halten. Ich halte es für gut, dass sowohl Kreative etwas von der Filmförderung haben als auch Produzenten, die ja ein wirtschaftliches Risiko tragen. Ich würde natürlich gerne noch die einheimische Filmbranche verstärkter entwickelt sehen. Aber das ist ein Prozess, in dem sind wir auf einem guten Weg.

Sie betonen immer wieder gerne, das Festival müsse wachsen. Es gab diesmal neue und höher dotierte Preise…

Wenn sich Unternehmen aus der Privatwirtschaft für so ein Festival engagieren, als Stifter von Preisen, dann ist das eine Art Ritterschlag. Und was die Entwicklung angeht: Wir haben sehr gute Kontakte zur Defa-Stiftung, wir haben in diesem Jahr zum ersten Mal die Murnau-Stiftung im Boot. Darauf bin ich stolz, denn das bildet die gesamte deutsche Filmgeschichte ab.

Und was macht die Filmland-Gesellschaft den Rest des Jahres?

Wir sind ganzjährig für den Film da, die Filmland Mecklenburg-Vorpommern gGmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft, nicht gewinnorientiert. Wir wollen, dass das Thema Film ganzjährig in diesem Land vorkommt und verwurzelt ist. Wir versuchen, Produktionen an das Land zu binden, über die Schulkinowochen Kindern und Jugendlichen das Thema Film nahezubringen. Wir versuchen in der Reihe "Kunst im Dialog" auch Künstler mit dem Publikum zusammenzubringen, in Kirchen zum Beispiel, immer im Gespräch, auch mit Filmemachern, immer diskursiv. Und meistens kommen wir über den Versuch hinaus. Wir sind sogar sehr erfolgreich.

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