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„Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt“

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erstellt am 18.Dez.2011 | 07:46 Uhr

Laute Paukenschläge und grölende Gesänge hallen gestern Mittag durch das Hansaviertel. Geschlossen marschiert ein Demonstrations-Trupp aus zirka 500 Hansa-Fans ein – viele von ihnen sind vermummt und in Schwarz gekleidet. Nur vereinzelt sind Polizeiwagen und Blaulicht rund um das Stadion zu sehen. Viele Anwohner haben sich auf ihren Balkonen versammelt, um das Ereignis aus sicherer Distanz zu beobachten. Einige schließen die Fenster. Der Zug endet kurz vor Anpfiff der Partie Hansa Rostock gegen den SG Dynamo Dresden vor den Toren der DKB-Arena. Zuschauer sind beim gestrigen „Geisterspiel“ gegen den Ost-Rivalen nicht erlaubt. Noch nie gab es ein Spiel komplett mit leeren Rängen für den Rostocker Fußballclub.

Verkehr vor Arena läuft uneingeschränkt weiter

Mit ihren Gesängen und Rufen wollen die Hansa-Anhänger vor allem eines: Die Spieler sollen trotz des Ausschlusses ihrer Fans deren Unterstützung auf dem Spielfeld hören. Mit Hilfe eines Kleintransporters verfolgt die Masse das Spiel live im Radio und setzt bei jeder Torchance mit den Gesängen ein. Hansa- Schals wirbeln in der Luft, bei jedem Tor liegen sich die Fans in den Armen. Szenen, die sonst nur im Stadion zu sehen sind. Am Ende gibt es für die Fans nicht viel zu jubeln – Hansa trennt sich von Dresden mit einem 2:2.
Mit Parolen wie „Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt“ oder „Fußball ja – DFB nein“ demonstriert die Masse auf dem Platz der Freiheit zeitgleich gegen das „Geisterspiel-Urteil“ des Deutschen Fußball-Bundes vom 7. Dezember. Bereits im Vorfeld versuchten die Fans, mit Aktionen wie dem Verkauf von „Geisterkarten“ und eigens angefertigten T-Shirts, die finanziellen Verluste durch das „Geisterspiel“ für den Verein so gering wie möglich zu halten. Trotz Stadionverbot gingen mehrere tausend Karten über den Ladentisch.
Trotz der vielen vermummten Fans läuft der Verkehr vor dem Stadion uneingeschränkt weiter. Vor allem für die älteren Bewohner des Hansaviertels eine Belastung, denn während des Spiels hält sich die Polizei weit zurück. Eine ältere Dame schüttelt den Kopf, als sie an der Haltestelle genau vor den Versammelten aussteigt. „Ist denn hier keine Polizei“, fragt sie die anderen Passanten. Zeitweise war nicht ein Beamter auf dem Platz zu sehen. Erstaunlich, denn bereits am Vorabend des Spiels griffen um die 20 vermummte Hansa-Fans in einem Warnemünder Lokal neun Dresden-Fans an. Gegen 19 Uhr stürmten die vermummten Personen in die Kneipe und attackierten mit Geschirr und zwei Stühlen die Dynamo-Fans. Durch Tritte in den Rücken wurde ein Dresdener verletzt. Im Anschluss flüchteten die Täter über die Fußgängerbrücke in den Stadtkern. Die Fahndungsmaßnahmen nach den Angreifern blieben bisher erfolglos.
Nach dem enttäuschenden Ende verhalten sich die Fans gestern Nachmittag ruhig. Schnell ist der Platz der Freundschaft wieder leer und im Hansaviertel kehrt wieder Ruhe ein.

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