Zappanale : „Wir sind das andere Volk...“

Von   fünf  Kontinenten   kamen  die  Gäste  der  Jubiläums-Zappanale    nach  Bad  Doberan.
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Von fünf Kontinenten kamen die Gäste der Jubiläums-Zappanale nach Bad Doberan.

Die Jubiläumsausgabe der Zappanale überzeugte durch musikalische Vielfalt, fast karibisches Klima und feinfühliges Krisen-Management

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21. Juli 2014, 07:52 Uhr

„Wir sind das andere Volk“, verkündete ein von dem österreichischen Künstler Helmut King gestaltetes Poster, das zu Beginn der Jubiläumsausgabe der Zappanale auf einen opulenten Bildband hinwies. Auf fast 500 Seiten ist hier die nunmehr 25jährige Erfolggeschichte des Festivals dokumentiert worden. Eines Festivals, das auch in diesem Jahr hunderte Frank Zappa-Fans aus fünf Kontinenten nach Mecklenburg lockte.

Selten war die Stimmung so ausgelassen und voller Vorfreude wie in den vergangenen vier Tagen. Das lag zum einen am perfekten Sommerwetter, zum anderen an einem handverlesenen Programm voller großer und kleiner musikalischer Höhepunkte. Die Zeiten, als die Festival-Organisatoren auf Superstars mit Extrem-Gagen wie Alice Cooper setzten, sind zum Glück vorbei. Heute steht wieder musikalische Vielfalt und Andersartigkeit im Blickpunkt. Genau so wie am Anfang im Jahr 1990, als auf einem Traktoranhänger die zappaeske Alternativ-Rock-Combo Ace 9 rund fünfzig Zappa-Fans begeisterte. Die Band um Sänger Fabian Münch hat auch ein Vierteljahrhundert später nichts von ihrer Frische und Schlagfertigkeit verloren, wie sie am Donnerstag bei ihrem Jubiläumskonzert bewies. Auch die britische Zappa-Coverband The Muffin Men aus Liverpool gehören zu den engen Freunden des Festivals. Sie bereicherten bereits im Jahr 1991 das musikalische Angebot, bereiteten der Zappa-Fangemeinde mit ihrem diesjährigen Auftritt ein exzellentes Geburtstagsgeschenk. Daran hatte auch der als Gast beteiligte Slide-Gitarrist Denny Walley einen entscheidenden Anteil. Der US-Amerikaner begeisterte auch mit seiner Magic Band, die tief in das Repertoire ihres ehemaligen Arbeitgebers Captain Beefheart eintauchte. Für viele Experten war dieser Auftritt der definitive Höhepunkt des Zappanale-Freitags. Aber auch das nachfolgende mitternächtliche Gastspiel der deutschen Kultband Embryo war eine musikalische Sternstunde.

Uwe Pabst ist einer jener treuen Festivalgäste, die jährlich die Zappanale besuchen. Der bekannte Musikfotograf aus Gera, der für große Musikmagazine wie Eclipsed berichtet, ist mit dem diesjährigen Programm besonders zufrieden: „Die Zappanale hat sich über all die Jahre ihren Charme und die familiäre Atmosphäre bewahrt. Auch musikalisch gibt es hier selbst für alte Hasen immer etwas zu erleben. Und Headlinern wie The Crimson ProjeKCt kommt man als Fotograf nirgendwo so nah wie hier auf dem Festival.“ Tatsächlich war das Gastspiel der umjubelten Band um die King Crimson-Veteranen Adrian Belew, Tony Levin und Pat Mastelotto am Samstagabend ein unvergesslicher Auftritt in typischer Prog-Tradition.

Eine unerwartete Festival-Überraschung war dagegen das Konzert der Spanner Jazz Punks aus London. Die Gruppe um den charismatischen Frontmann Dan Spanner überzeugte bei ihrem Deutschlanddebüt auf der kleinen Bühne mit einem bejubelten Mix aus Punk, Rock, Balkan-Jazz und Zirkus-Performance.

Die Zappanale wäre nicht die Zappanale, wenn es nicht auch diesmal zu einer kleinen organisatorischen Herausforderung gekommen wäre. Unvergessen sind die langjährigen Anfeindungen durch Zappas Witwe, die zum Glück gerichtlich geklärt werden konnten. Diesmal drohte Ungemach von eher unerwarteter Seite. Ein Vertreter des Ordnungsamtes Bad Doberan stand am Freitagnachmittag überraschend vor der Tür der Veranstalter und verlangte eine Programmänderung: Lärmbelästigung zu später Stunde sei nun nicht mehr erlaubt, dann geplante Konzerte sollten doch bitte abgesagt werden. Wer oder was hinter dem Ansinnen steckte, war schwer zu erkennen, denn außer Fuchs und Hase gibt es in der Nähe der Trabrennbahn keinerlei Anlieger, die sich gestört fühlen dürften. Zum Glück konnte Zappanale-Sprecher Jim Cohen schon zwei Stunden später Entwarnung geben. Ein Ausfall so grandios verlaufender Mitternachtskonzerte wie das von Tarentatec & Aufrichtiges Zappa wäre wirklich schade gewesen.


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