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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 11:32 Uhr

"Wir rechnen mit dem Schlimmsten"

vom

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erstellt am 06.Jun.2013 | 09:51 Uhr

Dömitz | In Dömitz hat der Kampf gegen das Elbhochwasser begonnen. Ein Wettlauf mit der Zeit. Im Versammlungssaal der Amtsverwaltung in der Goethestraße klingeln am gestrigen Nachmittag Handys und Telefone im Dauertakt. "Eben kam die Meldung, dass die Elbe in Dömitz am 12. Juni einen Pegelstand von 7,30 Meter erreichen wird", sagt Amtsvorsteher Burkhard Thees. Der Katas trophenstab des Amtes arbeitet seit den Morgenstunden im Versammlungssaal.

Bis zu einer Million Sandsäcke

7,30 Meter - das wäre der höchste Pegelstand, der in Dömitz in den letzten Jahrzehnten gemessen wurde. Bei der Jahrhundertflut 2002 stieg die Elbe im südwestlichen Zipfel Mecklenburgs bis knapp 6,50 Meter.

Allerdings seien genauere Prognosen erst möglich, wenn die Scheitelwelle des Elbhochwassers durch Dresden durch ist. "Wir rechnen mit dem Schlimmsten", sagt Amtsvorsteher Thees. So könne man nicht überrascht werden.

Gestern Nachmittag um 15 Uhr ist die Elbe in Dömitz bereits auf einen Pegelstand von knapp unter 4,50 Meter geklettert. Das Wasser reicht längst bis an die Deiche direkt am Ortsrand. Sorgenvoll blicken die Spaziergänger auf den breiten, langsam dahinfließenden Strom.

Am kommenden Tag wird er vermutlich die Fünf-Meter-Marke überschreiten.

Der Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim, Rolf Christiansen, rief schon am Vormittag Katastrophenalarm aus. Bis zu einer Million Sandsäcke sollen geordert werden. Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und die Bundeswehr bereiten sich auf ihren Einsatz vor.

Auch im Schweriner Agrar- und Umweltministerium blickt man voll Sorge in Richtung Elbe. "Die Prognosen deuten auf ein Szenario hin, das wir wirklich noch niemals gehabt haben", meint der Minister Till Backhaus (SPD).

Das Hochwasserschutzsystem an den insgesamt 21 Kilometer langen Abschnitten der Elbe in Mecklenburg-Vorpommern ist seit der Flut 2002 für 52,4 Millionen Euro verstärkt worden. Die Oberkante der Deichanlagen liegt im Durchschnitt heute zwar bei 7,80 Metern, so das Umweltministerium. Doch einige Deiche sind nur gegen Hochwasser bis zu 6,85 Meter ausgebaut. Dort wird das Elbhochwasser vermutlich über die Krone gehen.

Ruhe vor dem Sturm

"Wir müssen die Deiche bei Neu Kaliß und vor Heiddorf auf einer Länge von insgesamt acht Kilometern erhöhen", kündigt der Amtsvorsteher an. Auf dem Sportplatz in Dömitz werden seit dem Vormittag von freiwilligen Helfern Sandsäcke gefüllt. Schon am ersten Tag sei die Bereitschaft der Dömitzer und der Menschen aus den umliegenden Orten, mit anzupacken groß, lobt der Amtsvorsteher.

Einer der Helfer ist Thomas Ansgar Müller. Er hat seit 2010 eine Tanzschule in der Elbestadt und befürchtet, dass die Inneneinrichtung seiner Schule vom Hochwasser vernichtet wird. "Wir haben mit unserem Vermieter gesprochen und werden zusammen in den nächsten Tagen alles sichern, was am Haus gesichert werden kann", sagt er. Heute habe er sich Zeit genommen, um Sandsäcke für die Deiche zu füllen.

Auch in Heiddorf - zwei Kilometer vor Dömitz - sind freiwillige Helfer im Einsatz und füllen bis zum Abend Sandsäcke. "Morgen bekommen wir tatkräftige Unterstützung von der Bundeswehr", berichtet Amtsvorsteher Thees. 200 Soldaten des Panzergrenadierbataillons 401 in Hagenow stehen bereits Schaufel bei Fuß.

Im kleinen Stadtzentrum von Dömitz sind kaum Menschen auf der Straße. Dort herrscht noch entspannte Ruhe. Der 75-jährige Horst Hibinski schlendert mit seinem kleinen Hund an der Kirche vorbei. Angst vor der Flut habe er nicht. "Wollen mal die Daumen drücken, dass die Deiche halten", sagt er und lächelt. Mandy Botzler macht sich dagegen größere Sorgen. Die 34-jährige Dömitzerin berichtet, dass ihre Eltern bereits Papiere und andere wichtige Dinge vom Erdgeschoss ihres Hauses in die obere Etage gebracht haben. Ansonsten müsse man abwarten, was in den nächsten Tagen passiert.

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