Bier von der Insel Rügel : „Wir machen alles anders“

Isabelle Scharff, Mitarbeiterin der Insel-Brauerei, präsentiert ein Glas Bier mit der preisgekrönten Sorte „Überseehopfen“.
Isabelle Scharff, Mitarbeiterin der Insel-Brauerei, präsentiert ein Glas Bier mit der preisgekrönten Sorte „Überseehopfen“.

Die handgemachten Biere der Insel-Brauerei auf Rügen sind die besten der Welt. Bundeskanzlerin besucht Standort

svz.de von
20. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Bergen Die Brauer in Rambin tragen Vollbart, langes Haar und sind vom Klischee des bierbäuchigen rotwangigen Braumeisters so weit entfernt wie ihr Craft Beer von industriell hergestellten Gerstensäften. „Es macht Spaß, hier ein tolles Bier zu brauen“, sagt Lars Eisel, der im Sommer nach seiner Ausbildung als Brauer aus der Nähe von Frankfurt am Main auf die Insel Rügen gekommen ist.

Mit einer großen Kelle schöpft der 24-Jährige den Schaum von ausgefallenen Eiweißen und Trübstoffen aus dem offenen Gärbottich, wo das Jungbier langsam seine Aromen entfaltet. Seit August 2015 stellt die Insel-Brauerei Rambin Craft Beer her, inzwischen sind es zwölf Sorten. In einem etablierten Mittelstandsunternehmen, da ist sich Firmengründer Markus Berberich ziemlich sicher, wäre diese Idee nicht umsetzbar gewesen. Der Vertriebsmann hätte vermutlich gesagt: zu teuer. Der Marketingmann hätte gesagt: Verpack bloß nicht ein Flaschenbier in Papier. Und der Produktionsmann hätte über das aufwendige Brauverfahren gestöhnt.

Berberich, Brauer mit 25-jähriger Berufserfahrung, nennt seine Biere „seltene Biere“, denn mit dem typischen Kastenbier wie Pils, Weizen oder Schwarzbier haben die Getränke der Rambiner Insel-Brauerei nichts gemein. „Wir machen alles anders“, sagt der 46-Jährige. Das beginne bei einer deutlich größeren Auswahl an Rohstoffen. Die Gärung erfolgt nicht in hohen Tanks, sondern in einem flachen offenen Bottich, so dass jedes Bier seine Aromen optimal entwickeln könne. Zum Schluss kommt das Bier in die Flasche zum Reifen, ein Prozess, den Berberich mit der Flaschenreifung von Champagner vergleicht. Die Flasche wird in Papier gewickelt, um den Reifeprozess nicht durch Licht zu beeinflussen.

Die Insel-Brauerei setzt auf die internationale Craft-Beer-Welle, die von den USA vor etwa zehn Jahren nach Europa schwappte. Craft Beer ist zunächst mal ein handwerklich gemachtes Bier. Berberich definiert es so: Alte verloren gegangene Bierstile werden aufgenommen oder neue Bierstile sehr charaktervoll interpretiert. „Wir nehmen das Beste aus jeder Braumeistergeneration.“

Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes hat der Trend zum handwerklichen Bier seit 2005 etwa rund 100 kleinere Brauerei-Gründungen in Deutschland ausgelöst, die inzwischen eine bislang nicht gekannte Vielfalt an Spezial-Bieren auf den Markt spülen.

Die breitere Vielfalt macht den Deutschen aber nicht unbedingt mehr Lust auf ein kühles Blondes. Deutsche Brauereien setzen tendenziell immer weniger Bier ab. In den vergangenen zehn Jahren sank der Absatz von 103,9 auf 95,7 Millionen Hektoliter. Der Verband schätzt, dass die reinen Craft-Beer-Brauereien nur 0,2 bis 0,5 Prozent der Biermenge produzieren. Berberich sieht für das Marktsegment des handwerklich gemachten Bieres noch etwas Luft nach oben: „In Amerika hat Craft Beer beim Absatz einen Anteil von 13 Prozent, beim Umsatz von 20 Prozent.“ Bei der Wertschöpfung liegen die Biere, die gewöhnlich teurer als konventionelle Biere sind, bei einem Anteil von 40 Prozent.

Die Insel-Brauerei Rambin, in die Berberich und Partner aus den Niederlanden rund vier Millionen Euro investierten, ist auf Wachstumskurs: Die Biere sind in allen Bundesländern gelistet, auch im Ausland ist das Bier von Rügen gefragt.

Experten haben den Bieren von Rügen Bestnoten gegeben. So wurde der Rambiner Überseehopfen in der Craft-Beer-Kategorie des India Pale Ale bei den World Beer Awards in London als weltbestes Bier ausgezeichnet. Mit acht Goldmedaillen schnitten die Rambiner als Deutschlands beste Craft-Beer-Brauerei ab.

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