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Hochschulen im Land schlagen Alarm : "Wir leben von der Substanz"

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Den Hochschulen in MV laufen die Personal- und Energiekosten aus dem Ruder. Die zugesicherten jährlichen Zuwächse von 1,5 Prozent für die Hochschulhaushalte reichen nicht aus, um die gestiegenen Kosten abzudecken.

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erstellt am 24.Apr.2013 | 10:35 Uhr

Rostock/Greifswald | Den Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern laufen die Personal- und Energiekosten aus dem Ruder. Die zugesicherten jährlichen Zuwächse von 1,5 Prozent für die Hochschulhaushalte reichten nicht aus, um die gestiegenen Kosten nur annähernd abzudecken, hieß es aus allen sechs Hochschulen des Landes. "Zurzeit leben die Hochschulen von der Hand in den Mund", sagte der Rektor der Universität Rostock und Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz, Wolfgang Schareck. "Das kann so nicht weitergehen."

Allein die Uni Rostock beziffert für 2014 ihren Mehrbedarf auf 8,5 Millionen, die Universität Greifswald auf 6,8 Millionen Euro. Die Fachhochschule Stralsund benötigt 600 000 Euro, die Fachhochschule Neubrandenburg 400 000 Euro. "Wir kompensieren das Defizit durch das Angreifen von Rücklagen - zu Lasten der Forschung und Lehre", sagte der Rektor der Fachhochschule Neubrandenburg, Micha Teuscher. Schareck lobte das Engagement des Landes bei Investitionen in die Infrastruktur. Diese seien vorbildlich. "Anders sieht es bei den Personalkosten aus. Hier zehren wir angesichts enormer Sparauflagen von der Substanz", sagte er. Die Hochschulen sehen eine immer stärkere Diskrepanz zwischen der Finanzausstattung der Universitäten in MV und denen in den West-Bundesländern. "Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern nicht ein Exzellenzcluster. Das ist für mich ein Ausdruck der Unterfinanzierung", sagte Neubrandenburgs Rektor Teuscher. Als Exzellenzcluster werden fachübergreifende Kooperationen in der Spitzenforschung bezeichnet.

Aus Sicht der Fachhochschule Stralsund ist die finanzielle und personelle Ausstattung für den laufenden Betrieb ungenügend. Wenn sich bei der Finanzausstattung der eingeschlagene Weg fortsetzt, sei die FH in fünf Jahren in ihrer materiellen Substanz gefährdet, sagte Rektor Falk Höhn.

Die Hochschulen fordern die Aufhebung des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern, weil es Hochschulen in finanzschwachen Ländern wie MV benachteilige. "Das Kooperationsverbot muss fallen, damit der Bund direkt in die Hochschulen investieren kann", sagte Schareck. Anfang des Jahres war die damalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mit ihrem Plan gescheitert, durch eine Verfassungsänderung das Verbot für ausgewählte Projekte in der Wissenschaft zu lockern. Bereits jetzt gebe es Beispiele, bei denen das Land nicht in der Lage sei, die fehlende Kofinanzierung bei gemeinsamen Projekten von Bund und Land zu sichern, beklagten die Hochschulen. So müssten beim Professorinnenprogramm des Bundesbildungsministeriums, mit dem der Anteil der weiblichen Hochschullehrer gesteigert werden soll, die Hochschulen den Landesanteil tragen.

Die Hochschulen haben Anfang Juni zu einem Parlamentarischen Abend in Schwerin geladen. "Wir sind zuversichtlich, dass das Land den Mehrbedarf berücksichtigen und die Finanzierung der Hochschulen absichern wird", sagte Greifswalds Rektorin Hannelore Weber zuversichtlich.

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