Katholische Kirche : „Wir können nicht mehr überall sein“

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Katholische Kirche muss drastisch sparen – das hat Auswirkungen auf ihre Präsenz in den Gemeinden

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10. Februar 2018, 05:00 Uhr

Das Erzbistum Hamburg hat Rekordschulden. Mit mehr als 79 Millionen Euro stehen die Katholiken in Hamburg, MV und Schleswig-Holstein in der Kreide. Welche Auswirkungen das auf das Land hat, fragte Benjamin Lassiwe Erzbischof Stefan Heße.

Erzbischof Heße, wie stellen Sie sich die katholische Kirche in Schleswig-Holstein und Mecklenburg in fünf Jahren vor?
Ich wünsche mir, dass wir in Schleswig-Holstein und Mecklenburg eine ganze Reihe von „verlässlichen Orten“ haben, an denen die katholische Kirche künftig präsent ist. Das sind für mich Kirchen, das sind aber auch caritative Einrichtungen. Das können auch Schulen oder einzelne Gemeindegruppen sein. Schleswig-Holstein und Mecklenburg sind so große Gebiete, dass wir unmöglich flächendeckend überall präsent sein können. Deswegen habe ich die Hoffnung, dass wir an wichtigen Orten präsent sind, und sich dort das kirchliche Leben ereignet.

Werden das weniger Orte sein als heute?
Mir kommt es darauf an, dass wir Orte halten, wo Leben ist. Es gibt im ländlichen Raum auch Pfarrgemeinden, da sagen mir Menschen, dass sie gar nicht mehr auf fünf oder zehn Jahre nach vorn blicken können. Dort ist man froh, wenn es die Gemeinde in einem Jahr noch gibt.

Das Erzbistum ist mit 79 Millionen Euro verschuldet. Wie wollen Sie aus dieser Situation herauskommen?
Wir müssen als Erstes unsere Ausgaben reduzieren. Wir dürfen keine neuen Schulden mehr machen. Deswegen müssen wir schauen, was künftig noch finanzierbar ist. Und wo es Einschnitte geben muss. Wo das konkret der Fall sein wird, wissen wir noch nicht. Das sind sehr schwierige Prozesse – denn immer da, wo Menschen etwas aufgeben oder loslassen müssen, tut es auch weh. Wir müssen deswegen darüber nachdenken, wie wir das planen.

Was hat Sie bewogen, den Sparkurs bei Schulen zu starten, die ja auch Orte kirchlichen Lebens sind?
Das war eine schwere Entscheidung. Uns geht es darum, dass wir auch künftig katholische Schulen haben. Wir wollen in diesem Arbeitsfeld präsent bleiben, aber mit Schulen , die mittelfristig zukunftssicher sind.

Welche Rolle spielen in Ihren Überlegungen die Schulen der Berno-Stiftung in Lübeck und Mecklenburg?
Auch in diesen Schulen wird gute Arbeit gemacht. Wir haben schon im vergangenen Sommer gesagt, dass wir uns nicht in der Lage sehen, neue Schulen in Lübeck und Ludwigslust zu bauen. Wie in Hamburg werden wir jetzt auch für die Schulen der Bernostiftung eine Tiefenprüfung durchführen, um die genauen Bedarfe festzustellen.


 

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