Schwerin kämpft allein : „Wir können das auch ohne Bayern“

Das Schweriner Residenzensemble ist einzigartig und soll deswegen Weltkulturerbe werden.
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Das Schweriner Residenzensemble ist einzigartig und soll deswegen Weltkulturerbe werden.

Freistaat schickt Absage an gemeinsame Welterbe-Bewerbung / Landtag sieht für Alleingang große Herausforderungen

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12. Dezember 2014, 07:43 Uhr

Was könnte Chinesen reizen, in Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt zu reisen? Wie macht man amerikanischen Kreuzfahrt-Gästen oder Japanern klar, dass ein Abstecher in die einstige „Residenzstadt“ ein unbedingtes Muss ist? Als Antwort reicht nach Ansicht von Experten keineswegs: Na, das Schloss!

Unbestritten, das Wahrzeichen inmitten der „Stadt der sieben Seen“ ist der wohl schönste Landtags-Sitz der Republik. Aber Schlösser gibt es viele, nicht nur in Deutschland. Um auf die Unesco-Welterbe-Liste zu gelangen, braucht es schon etwas mehr, denkt Landtagspräsidentin Silvia Bretschneider (SPD).

Eine Welterbe-Stätte muss einen herausragenden universellen Wert besitzen, der von Authentizität und Integrität geprägt ist. Die historische Echtheit des Schweriner Schlosses zeigt sich, so heißt es in den Bewerbungsunterlagen, in der über 1000 Jahre andauernden Tradition des Ensembles als politisches Zentrum. Bereits im Frühmittelalter stand an der Stelle des heutigen Baus eine slawische Fürstenburg. „Leider konnten wir die jüngsten Funde ja nicht am Originalort durch eine Glasplatte sichtbar behalten“, bedauert Bretschneider. Sie wenigstens andernorts erlebbar zu erhalten, wäre schon wichtiges Detail für Bewerbung.

Über die Jahrhunderte war das Schloss Sitz der Mecklenburger Herzöge und Großherzöge, in der DDR tagten die Stadtverordneten der Bezirksstadt hier, 1990 zog der Landtag ein. Dieses Zeugnis eines Epochenwechsels sieht Landtagsdirektor Armin Tebben als aussichtsreiches Argument. „Wir dürfen uns nicht mit einer toten Stein-Hülle bewerben, sondern als ein lebendiges und erlebbares Denkmal“, nennt er die Herausforderung.

Kritiker der nun gescheiterten gemeinsamen Bewerbung mit Bayern scherzten: Das Residenzensemble sei Zeugnis für den Untergang des Feudalismus – Schloss Neuschwanstein dagegen, das nie eine Machtfunktion innehatte, sein Grabstein.

Mit Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) wie auch mit Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Die Linke) saß die Landtagsspitze gerade erst zusammen, um die nächsten Schritte zu beraten. „Weil die wissenschaftliche Begleitung der Bewerbung so wichtig ist, muss nun endlich die Professur an der Hochschule Wismar eingerichtet werden“, drängt Bretschneider. Hinter den Kulissen allerdings grollt es, warum eine technische Hochschule statt einer der Universitäten die Professur bekomme. Gerungen wird nach Informationen unserer Zeitung darum, die Professur mit einer Stiftung auszustatten. Herzogin Donata zu Mecklenburg gilt dafür als Wunsch-Mäzenin. Offen ist zudem in der chronisch klammen Landeshauptstadt die Ausweisung eines Welterbe-Manager-Postens. Auch das im Schloss ansässige Museum müsste die Chance für ein modernes, erlebnisorientiertes Ausstellungskonzept ergreifen. „Wann, wenn nicht jetzt“, fragte Bretschneider.

Einigkeit herrscht dagegen wohl darüber, dass das bürgerschaftliche Engagement des Vereins „Pro Schwerin“ eines der ausschlaggebenden Elemente der Alleinbewerbung werden könnte.

Die Landtagspräsidentin und ihr Direktor jedenfalls sind nicht wirklich traurig über die Absage der Bayern. „Ich bin ziemlich sicher, dass uns das eher den nötigen Schub gibt, die eigenen Anstrengungen noch zu verstärken“, sagte Bretschneider. „Wir können das – auch ohne die Bayern.“

Stichwort Unesco-Welterbe

Am 16. November 1972 verabschiedete die Unesco die Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt.  Aus der Erwägung, „dass Teile des Kultur- oder Naturerbes von außergewöhnlicher Bedeutung sind und daher als Bestandteil des Welterbes der ganzen Menschheit erhalten werden müssen“, bildete sie die „Liste des Welterbes“. Sie beinhaltet   1007 Denkmäler aus 161 Ländern ( Stand November 2014 ). Bis heute haben sich 190 Staaten  dazu verpflichtet, die  Welterbestätten zu schützen und zu bewahren.  Deutschland darf jedes Jahr nur je ein Kultur- und ein Naturerbe bei der Unesco einreichen.

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