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Fischer scheitern bei Aquakultur an strengen Auflagen : Wir können alles – außer Aqua

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Ausgerechnet im Seen-Paradies MV schwächelt die Fischzucht in Teichen, Käfigen und Netzgehegen: Während weltweit der Markt stark wächst, produzieren in MV gerade einmal 22 Aqua-Kulturanlagen frischen Fisch.

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erstellt am 21.Apr.2013 | 07:15 Uhr

Schwerin | Angesichts überfischter Weltmeere gilt die Fischzucht in Anlagen - die Aquakultur - als zukunftsweisende Alternative. Allerdings zögern in MV die Fischereibetriebe, die aufgrund ihrer Erfahrungen eigentlich ideale Investoren und Betreiber sein müssten. "Mecklenburg-Vorpommern ist kein Aquakulturland, weil die Rahmenbedingungen bescheiden sind", sagte der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes, Norbert Kahlfuss, anlässlich der diesjährigen Delegiertenversammlung des Verbandes am Samstag im Schweriner Vorort Mueß. Es gebe eine Vielzahl baurechtlicher Hürden sowie Auflagen von Umwelt- und Naturschutz, die der Errichtung von Kreislaufanlagen entgegenstünden. Einige Unternehmen hätten es versucht, aber zum Schluss das Handtuch geworfen. So wollten die Küstenfischer im Bodden Forellen in Käfigen züchten. Der Plan scheiterte Kahlfuss zufolge am Widerstand von Touristikern, die Wasserverschmutzungen in Strandnähe befürchteten. 2011 - das sind die aktuellsten Daten des Statistischen Amtes - produzierten in MV 22 Aquakulturanlagen 1000 Tonnen Fisch. Agrarminister Till Backhaus (SPD) wirbt seit Jahren um mehr Aqua-Investitionen. Ulrich Paetsch von der Fischerei Müritz-Plau GmbH sagte, bundesrechtliche Regelungen seien das Problem. Die Fischer in Niedersachsen oder Brandenburg stünden vor denselben Schwierigkeiten wie ihre Kollegen in MV. So dürfe die Uferzone von Gewässern in aller Regel nicht bebaut werden. "Dort stehen aber die Fischereihöfe."

Eine weitere Schwierigkeit sei die Abwasserbeseitigung: Selbst bei geschlossenen Kreislaufanlagen blieben zehn Prozent des genutzten Wassers übrig. Diese ins öffentliche Abwassernetz einzuspeisen, wäre zu teuer und würde die Produktion unwirtschaftlich machen, so Paetsch. Auch dürfe der Schlamm aus den Anlagen seit einiger Zeit nicht mehr als Dünger auf die Felder, sondern müsse als Bioabfall entsorgt werden - ein weiterer Kostentreiber. "Reale Chancen, eine rentable Produktion auf die Beine zu stellen, haben eigentlich nur Landwirtschaftsbetriebe", sagte Paetsch. Sie könnten das Abwasser auf ihren Flächen verregnen. Die Bauern hätten aber oft keine Vermarktungsstruktur für Fisch. Die Aquakulturen, die Paetschs Unternehmen neben der klassischen Fischerei in den Seen der Region betreibt, stammen aus der DDR-Zeit.

Zur Aquakultur zählen auch Teichwirtschaften und so genannte Durchflussanlagen. Jüngst habe er versucht, eine kleinere Behälteranlage neu zu errichten, die Pläne aber angesichts der zahlreichen Auflagen wieder aufgegeben.

Remo Thies von der Binnenfischerei Bimes Schwerin GmbH kennt die Probleme der Kollegen. Sein Unternehmen verfüge über Fischteichanlagen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit eigenem Quellwasser, sagte er. In diesen Teichen baue das Unternehmen derzeit eine Edelfisch- und Edelkrebszucht auf. Das nährstoffreiche Wasser aus den Teichen mit Ostseeschnäpeln fließe in andere Gewässer, in denen sich dadurch viele Kleinstlebewesen entwickelten. Diese wiederum seien die Nahrung für die Edelkrebse. Am Ende gebe es wieder sauberes Wasser.

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