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Radweg von Jessenitz nach Vielank gestrichen : „Wir kämpfen, bis gebaut wird"

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„Anni bleib hier. Die fahr’n dich nochmal tot." Diesen Satz hört Anni Baack oft, wenn sie aufs Rad steigt und nach Vielank fährt. Die 87-Jährige hat gehört, dass schon einige Radler auf der L 06 im Graben landeten.

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erstellt am 05.Aug.2012 | 06:12 Uhr

Jessenitz | "Anni bleib hier. Die fahr’n dich nochmal tot." Diesen Satz hört Anni Baack oft von ihrem Nachbarn Herrn Pohl, wenn sie aufs Rad steigt und zum Schlachter nach Vielank fährt. Die 87-Jährige hat gehört, dass schon einige Radler auf der L 06 durch den Sog der vorbeidonnernden Laster im Graben landeten. Dass es Verletzte gab und sogar einen Toten. "Ganz, ganz früher durfte meine kleine Tochter alleine auf dieser Straße fahren. Heute würde ich das Kindern verbieten", sagt sie. Aber selbst lässt sie sich das bisschen Freiheit im Alter nicht nehmen. "Ich will mich bewegen und ich will unabhängig sein."

Auch zur Demo am vergangenen Freitag wollte sie der Sohn im Auto mitnehmen. "Aber hier müssen wir doch mit dem Fahrrad hin", sagt die rüstige Rentnerin. "Es geht doch um unseren Radweg." Den Radweg, der längst versprochen und abgesegnet war und nun doch nicht gebaut werden soll. "Es ärgert mich maßlos, dass man in Schwerin nicht mehr zu seinem Wort steht. Und es ärgert mich auch, dass man uns nicht darüber informiert, sondern dass wir es zuerst aus der Zeitung erfahren", sagt Lübtheens Bürgermeisterin Ute Lindenau am Rande der Demo. Sie hatte gehofft und auch damit gerechnet, dass am Freitagnachmittag so viele Menschen aus den umliegenden Dörfern zur Straßenblockade nach Jessenitz kommen. "Wenn wir als Kommune beim Radweg nichts mehr erreichen können, dann müssen alle mit ran, vor allem die Betroffenen."

300 Menschen blockieren am Freitag mit Transparenten und selbstbemalten Schildern für eine Viertelstunde die Jessenitzer Kreuzung auf der L 06 (SVZ berichtete). Die genehmigte und von der Polizei abgesicherte Protestaktion sorgt für einen langen Stau Richtung Lübtheen. Doch die Wartenden in den Autos bleiben geduldig. Auch die Berlinerin Melanie von Zelewski. "Wir wollen zu einem Bauernhofwochenende nach Laave und stehen wir hier plötzlich von so einer großen aufgebrachten Menschenmenge", sagt sie. "Die Polizisten haben uns gesagt, dass hier für einen Radweg demonstriert wird. Und dafür warten wir natürlich ohne zu meckern." In der Menschenmenge mittendrin steht Heiko Bäuch. Der stellvertretende Bürgermeister von Vielank ist fest entschlossen, so lange zu kämpfen, bis der Radweg gebaut wird. "Und wenn es zehn Jahre dauert." Am 13. September hat Bäuch den Verkehrsminister, den Agrarminister, die Bürgermeister und den Landrat in Vielank an den Runden Tisch geladen. Dann liegen auch die Ergebnisse der für Anfang September angesetzten Verkehrszählung des Straßenbauamtes vor. Bäuch ist sich sicher: Diese Zählung wird anders ausfallen als die bisherigen. Vor allem beim Lkw-Verkehr. Inzwischen fahren nicht nur Transporter zum Holzwerk und zur Kartoffelveredlung nach Hagenow diese Strecke. Auch die Laster vom Megapark Valluhn/Gallin nutzen die L 06, weil es für sie die kürzeste Verbindung zur A 14 ist.

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