„Wir haben wirklich viel geschafft"

Von Anfang an dabei: Die heutige Leiterin des KOE, Sigrid Hecht, ist seit September 1992 im Unternehmen. Foto: Juliane Hinz
Von Anfang an dabei: Die heutige Leiterin des KOE, Sigrid Hecht, ist seit September 1992 im Unternehmen. Foto: Juliane Hinz

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27. Juli 2012, 09:56 Uhr

Rostock | Der Kommunale Eigenbetrieb für Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE) wird 20 Jahre alt. So richtig gefeiert wurde das bislang noch nicht. Sie tue sich schwer damit, eine Festveranstaltung zu organisieren, sagt KOE-Chefin Sigrid Hecht: "Schließlich ist das, was da gefeiert werden soll, unsere tägliche Arbeit, also etwas ganz Selbstverständliches." Ein Grillfest für alle Mitarbeiter und ihre Familien gab es aber schon. Jeder zahlte dafür einen kleinen Obolus. Das sei selbstverständlich, schließlich sei die Stadt knapp bei Kasse, erklärt Hecht. Da sei ein Fünf-Gänge-Menü nicht drin.

Sigrid Hecht ist pragmatisch. Statt prominenter Festredner lässt sie lieber Fakten sprechen. Und die sind, das muss bei aller Bescheidenheit gesagt werden, wirklich beeindruckend. Mehr als 900 Mietverträge pflegt der KOE, das sind Nutzer von mehr als 400 Objekten. "Wir verwalten einen großen Teil des Vermögens der Stadt", sagt Hecht. Dazu gehören das Rathaus, das Kloster zum Heiligen Kreuz, die Kunsthalle, aber auch Kindertagesstätten, Schulen, Sportplätze, Jugendclubs, die Bühne 602, der Mau-Club, sieben Stadtteilbegegnungszentren und fünf Technologiezentren. Nicht zuletzt verwaltet der KOE auch ein riesiges Gewerbegebiet - das Güterverkehrszentrum (GVZ) in Hinrichsdorf.

Und hier steht gewissermaßen auch die Wiege des KOE. Denn der Eigenbetrieb ist ursprünglich gegründet worden, weil die Stadt 1992 auf dem ungenutzten Acker ein Areal für Güterumschlag und Gewerbe einrichten wollte. So ganz ging der Plan nicht auf, die Deutsche Bahn entschloss sich gegen die Investition. Trotzdem: Hecht verbucht das Projekt als Erfolg. "Dafür mussten Kredite in Höhe von 16 Millionen D-Mark aufgenommen werden. Nach acht Jahren waren sie getilgt."

Nachdem sich das Prinzip des Eigenbetriebs mit dem GVZ bewährt hatte, kam das nächste Großprojekt. In Warnemünde sollte ein Technologiezentrum gebaut werden. "Wir hatten die Bauingenieure und das Know-how für Mietkalkulation sowie Betriebskostenabrechnung", so Hecht. Auch dieses Projekt ging also an den KOE - und viele weitere folgten. Doch nicht nur der Bau neuer Objekte fällt in den Aufgabenbereich des Eigenbetriebs. Denn um die große Menge an Immobilien, ihre Wartung, Nutzung und die damit verbundene Kostenkalkulation zu zentralisieren, fiel schon unter Oberbürgermeister Arno Pöker (SPD) die Entscheidung, die Verwaltung aller städtischen Immobilien an den KOE zu übertragen - ein Vorgang, der erst in diesem Jahr abgeschlossen wurde. "Die Hansestadt ist unglaublich reich", sagt Hecht und erinnert sich an Wäschekörbe voller Unterlagen zu den Immobilien. Darunter waren Pferdeställe und Häuser im Wald. "Da haben wir erst mal Ordnung reingebracht", so die KOE-Chefin. Darüber hinaus achtet der KOE als Vermieter darauf, dass die Betriebskosten der Stadtverwaltung nicht durch die Decke gehen. Darum gibt es mittlerweile eine zentrale Gebäudeleittechnik. Darüber steuert der KOE die Temperatur in den Büros der Stadtverwaltung. Denn dafür gibt es Standards - mehr müsse nicht sein und verursache nur Kosten. "Hier geht es schließlich um Steuergelder", betont Hecht.

Blick in die Zukunft: Vielleicht ein Theater bauen?

Als Verwalter des öffentlichen Vermögens wolle der KOE betriebswirtschaftlich denken - wie jeder private Unternehmer auch. Ansonsten ist der KOE ein Vermieter, der Dienstleistung groß schreibt. Gibt es eine Schadensmeldung - und davon gehen jährlich mehr als 3000 ein - wird diese möglichst binnen 24 Stunden bearbeitet. Schließlich geht es um stark frequentierte Gebäude wie Schulen und Ortsämter.

Auch die kommenden Jahre werden für den KOE ereignisreich. So steht der Jaz-Neubau an und vielleicht auch irgendwann ein neues Theater. "Früher hat man die KOE-Gebäude daran erkannt, dass es immer die hässlichsten waren", sagt Hecht. Das habe sich geändert. Auch wenn es nicht die schönsten Immobilien seien, auch hier gehe es schließlich um Steuergelder, so störten sie zumindest nicht mehr im Stadtbild. "Und daran erkennt man, dass wir - und damit meine ich alle Rostocker - wirklich viel geschafft haben."

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