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Innenminister Caffier im Dialog : „Wir haben das versemmelt“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Lorenz Caffier sieht sich im Dialog mit Bürgern mit Missständen in der Bildungspolitik konfrontiert

svz.de von
erstellt am 23.Mai.2016 | 21:30 Uhr

Was zunächst nach einer typischen Diskussion zwischen Vertretern der Politik und des Bildungssystems aussah, entwickelte sich rasch zu einem ehrgeizigen Dialog zwischen Rednern und Publikum. Zusammen mit Cordula Scheibel, Schulleiterin am Gymnasium Fridericianum Schwerin, und Prof. Dr. Johanna-Eleonore Weber, Rektorin der Universität Greifswald, veranstaltete Innenminister Lorenz Caffier (CDU) gestern Abend eine Podiumsdiskussion zum Thema Bildungspolitik in Mecklenburg-Vorpommern.

Es war bereits die zweite von insgesamt drei Gesprächsrunden, die der Politiker unter dem Titel „Auf Heimatkurs mit Lorenz Caffier“ mit Sachverständigen und Bürgern in MV führte. Der letzte Meinungsaustausch fokussierte sich auf das Thema Sicherheit, dieses Mal stand die Bildung im Vordergrund. Dass das Thema auch in der Bevölkerung auf großes Interesse stößt, zeigten die Reaktionen der Zuhörer. Die eigentlich im Anschluss geplante Fragestunde wurde kurzerhand in das Fachgespräch integriert. Lorenz Caffier sah sich mit dem Problem der unterschiedlichen Anerkennung der Schulabschlüsse konfrontiert. „Wir haben das schon 1990 versemmelt und leider eine falsche Einstellung in der Bevölkerung aufkommen lassen. Viele Eltern sagen, wenn mein Kind nicht aufs Gymnasium geht, ist es kein Kind erster Klasse. Diesen Eindruck müssen wir korrigieren“, so Caffier.

Dass das Abitur und ein eventuell folgender Studienabschluss in der Berufswelt seit Langem als das Maß der Dinge angesehen wird, ist jedoch nicht neu. „Wir müssen aufklären, aufklären, aufklären und über mögliche Alternativen informieren. Wir müssen zeigen, dass die Fachhochschule beispielsweise für diese Berufsausbildung optimal ist, die Hochschule für diese und die Berufsschule für diese“, schlug Dr. Weber vor.

Eine solche Beratung müsse jedoch schon viel eher einsetzen, meinte Caffier. Nicht erst nach dem Schulabschluss, sondern bereits während der Ausbildung müssten Eltern über die vorhandenen Möglichkeiten ausführlicher informiert werden. Engagierte Vorhaben und Pläne, deren Umsetzung jedoch nicht zuletzt an der überkorrekten Auslegung von Gesetzen und Regeln zu scheitern drohen. „Heute darf ja jeder mitreden, jeder ist ein Experte“, bemerkte der Innenminister, „Wenn jemand zu meiner Zeit gesagt hätte, dass jede Schule einen Schulsozialarbeiter braucht, hätte man ihn für verrückt erklärt. Die Schulsozialarbeiter entlassen die Eltern meiner Meinung nach zum Teil aus ihrer erzieherischen Aufgabe“, erklärte Caffier. Nichtsdestoweniger seien diese ein fester wie auch wichtiger Teil der Schulen. „Die Zeiten ändern sich und wir müssen uns diesen Änderungen anpassen“, sagte der CDU-Spitzenkanditat. „Ich wünsche mir auch manchmal, dass die Gegebenheiten anders wären. Und wir müssen schauen, ob wir vielleicht andere Instrumentalien nutzen können, um in der Bildungspolitik etwas zu verändern.“

Aber wie, wenn schlicht weg die Mittel fehlen? „Wir sollen Schule immer gestalten, haben aber immer nur das Gefühl, dass wir Schulen verwalten“, merkte Cordula Scheibel an. Dem Schulsystem würde es an finanziellen Mitteln und Lehrkräften fehlen, um ein kreativeres Bildungssystem umsetzen zu können.

Eine endgültige Lösung konnte die Diskussionsrunde nicht finden. Man werde sich diesen Fragen annehmen, versicherte der CDU-Politiker.

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